Aua, Rückenschmerzen – Bandscheibenvorfall beim Hund

Röntgenbild eines Hundes

Schmerzen, Lahmheit und ein gekrümmter Rücken: Der Bandscheibenvorfall beim Hund ist keine Seltenheit und treten altersbedingt auf und auch durch mechanische Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule. Wenn Ihr Hund diese Symptome zeigt, wird es Zeit für den Tierarzt.

Eine verzögerte Diagnose kann dazu führen, dass Ihr Hund leidet und dauerhaft Schmerzen hat. Die Erkrankung der Bandscheibe ist nicht nur ein menschliches Problem. Je nach Schwere des Bandscheibenvorfalls muss dieser operativ behandelt werden. 

Symptome des Bandscheibenvorfalls bei Hunden

Wie bei uns Menschen kann der Bandscheibenvorfall bei Ihrem Hund im Bereich der gesamten Wirbelsäule auftreten. Die Symptome fallen unterschiedlich aus. Es hängt davon ab, in welchem Bereich der Wirbelsäule die krankhafte Veränderung der Bandscheibe auftritt. Allgemein kann es zu den nachstehenden Symptomen kommen:

  • Ihr Hund leidet an einem verspannten Rücken.
  • Sprünge oder das Besteigen von Treppen oder des Autos werden verweigert.
  • Der Gang Ihres Hundes zeigt Koordinationsstörungen.
  • Dazu wirkt der Gang Ihres Hundes staksig.
  • Ihr Hund schleift die Hinterbeine nach.
  • Ein hängender Kopf, eingezogener Schwanz oder Zittern deuten auf Schmerzen hin.

Teilweise unterscheiden sich die Symptome auch dadurch, in welchem Bereich der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall aufgetreten ist. Veränderungen der Bandscheibe bei Hunden lösen im Halsbereich die folgenden Symptome aus:

  • steife Kopfhaltung
  • angespannte Nackenmuskulatur
  • Ihr Hund gibt gelegentlich Schmerzlaute von sich
  • Ihr Hund lässt es nicht zu, dass Sie ihn im Halsbereich anfassen
  • Lahmheit der Vorderläufe – einzeln oder beidseitig

Kommt es zu Bandscheibenprobleme bei Hunden im Brust- oder Lendenbereich, dann treten die folgenden Symptome auf:

  • Probleme beim Kotabsatz
  • Inkontinenz beim Harn- und Kotabsatz
  • gekrümmte Rückenhaltung
  • Lähmungen
  • Schmerzen an der Wirbelsäule beim Anfassen

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Wirbelsäule des Hundes verfügt über eine große Anzahl von Wirbeln. Dazu gehören beispielsweise Halswirbel, Brustwirbel und Lendenwirbel. Je nach Größe des Hundes können bis zu 53 Wirbel vorhanden sein. Diese Knochen bilden nicht alleine die Wirbelsäule, da es sonst ein relativ starres Gebilde wäre. Zwischen den Wirbeln befinden sich Puffer, die sogenannten Bandscheiben.

Diese sorgen für eine reibungslose Bewegung der Wirbelsäule und verhindern einen Abrieb der einzelnen Wirbel. Darüber hinaus federn sie auch Stöße ab. Die Bandscheibe verfügt über drei wesentlichen Bausteinen: dem Bandscheibenkern, dem äußeren Ring und einer Übergangszone zwischen den beiden erstgenannten Elementen. Der Kern der Bandscheiben besteht aus einem gallertartigen Gewebe, das zu rund 80 Prozent Wasser enthält. Durch eine Erkrankung der Bandscheibe kann es zunächst zu mikroskopisch kleinen Veränderungen am Gewebe kommen. Im weiteren Verlauf rückt die Bandscheibe in den Wirbelkanal vor und übt dort Druck auf das Rückenmark und die darum liegenden Nerven aus. Das wiederum verursacht Schmerzen.

Bandscheibenprobleme beim Hund – wie kommt es zu der Erkrankung?

Der Bandscheibenvorfall bei Hunden hat unterschiedliche Ursachen. Einerseits kann es an der Hunderasse liegen, dass diese anfälliger für Bandscheibenerkrankungen ist. Andererseits führen das Alter, Übergewicht und Verletzungen zu Bandscheibenvorfällen. 

  1. altersbedingter Bandscheibenvorfall: Der Schaden an der Bandscheibe kann je nach Hunderase ab dem vierten Lebensjahr bis zum zehnten Lebensjahr auftreten. Dabei sind Hunderassen mit einem langen Rücken deutlich früher betroffen als andere Hunderassen. Dazu gehören Dackel, Pekinesen, Cocker Spaniel, kleine Terrier oder auch Bassets.
  2. mechanische Verletzungen: Eine massive Stoßverletzung kann dazu führen, dass die Bandscheibe geschädigt wird. Das kann schon passieren, wenn Ihr Hund vom Sofa oder aus dem Auto springt. Ebenso kann es beim Herumtoben zu einer Verletzung der Bandscheibe kommen. 
  3. degenerativer Bandscheibenvorfall: Hier bildet das Zentrum der Bandscheibe sich nicht gewebsmäßig aus, sondern knöchern. Dabei bildet sich vermehrt eine kalkähnliche Masse aus und vermindert die Beweglichkeit der Bandscheibe. Diese kann zudem in den Wirbelkern vordringen und den Bandscheibenvorfall auslösen.
  4. Überlastung der Wirbelsäule: Einseitig belastende Bewegungen wie das Treppensteigen können zu einem Bandscheibenvorfall führen. Daneben kann ein übermäßiges Trainingsprogramm Ihres Hundes durch Agility, Dog-Dance oder andere Aktivitäten dazu führen, dass die Wirbelsäule an Elastizität verliert. Das Gewebe wird dadurch empfindlicher und kann schneller reißen.
  5. Bewegungsmangel: Zu viel Bewegung schadet der Bandscheibe – zu wenig Bewegung ebenfalls. Die Wirbelsäule benötigt systematisch Bewegung, ansonsten kommt es zu einer Unterversorgung. Durch die Bewegung wird die nährstoffreiche Flüssigkeit im Gewebe hin und her gepumpt. Fehlt Ihrem Hund Bewegung, kann die Bandscheine degenerieren und der Gallertkern austrocknen. 

Dabei unterscheiden Tiermediziner zwischen zwei Schweregraden des Bandscheibenvorfalles: 

  • Beim Schweregrad I kommt es zu einer Vorwölbung des Bandscheibenkerns in den Wirbelkanal. Dabei bleibt der äußere Ring der Bandscheibe noch intakt.
  • Beim Schweregrad II ist der Bandscheibenring geschädigt , dadurch dringt die Bandscheibenmasse vollständig in den Wirbelkanal ein und beschädigt dadurch umliegendes Gewebe 

Bandscheibenvorfall beim Hund – erste Maßnahmen

Besteht der Verdacht, dass Ihr Hund anhand der verschiedenen Symptome sich einen Bandscheibenvorfall zugezogen hat, müssen Sie sofort zum Tierarzt. Ein Bandscheibenvorfall führt auch dazu, dass es zu Durchblutungsstörungen im Bereich des Rückenmarkes kommen kann. Das wiederum führt zu einer Gewebeschädigung. Die Folge ist im schlimmsten Fall eine vollständige Lähmung.

Sie müssen nun die Wirbelsäule Ihres Hundes entlasten und dafür sorgen, dass er sich so wenig wie möglich bewegt. Er sollte nicht mehr springen und ins Auto getragen werden. Lassen Sie sich bei der Fahrt zum Tierarzt begleiten. Die Begleitperson kann Ihren Hund im Auge behalten und unter Umständen auch eine Wärmflasche auflegen, damit die Rückenmuskulatur entspannt wird.

Diagnose Bandscheibenvorfall beim Tierarzt

Damit Ihr Tierarzt den Bandscheibenvorfall und seinen Schweregrad genau diagnostizieren kann, muss er eine allgemeine und eine neurologische Untersuchung durchführen. Er überprüft in verschiedenen Bereichen der Nerven die Reflexe Ihres Hundes. Parallel muss Ihr Tierarzt bildgebende Verfahren einsetzen. Dazu gehört die Computer-Tomographie, also die Darstellung mit Röntgenstrahlung. Mit der Magnetresonanz-Tomographie kann der Tierarzt mit Magnetstrahlen feststellen, welche Bereiche des Rückenmarks betroffen sind und in welchem Ausmaß die Schädigung vorliegt.

Diagnostiziert Ihr Tierarzt einen Diskusprolaps, das ist der medizinische Begriff für den Bandscheibenvorfall, ist eine Ruhigstellung Ihres Hundes sofort erforderlich. Sie müssen wärmeerhaltende Maßnahmen für die betroffene Partie vornehmen. Entweder mit einer Wärmelampe oder mit Wärmekissen. Dazu bekommt Ihr Hund Medikamente mit schmerzlindernder Wirkung. Weiterhin kommen entweder Cortisonpräparate oder Entzündungshemmer ohne Cortison zur Anwendung. 

Sind zudem die Muskeln verhärtet, muss Ihr Hund muskelentspannende Medikamente erhalten. Ist die akute Phase überstanden und Ihr Hund benötigt keine Operation, dann kann im Rahmen einer Physiotherapie in Form von leichten Massagen oder mit einem Unterwasserlaufband der Genesungsprozess eingeleitet werden. In vielen Fällen bestehen Heilungschancen auch ohne eine Operation. Es kann aber vorkommen, dass es hin und wieder zu motorischen Ausfällen kommt, wie das Nachziehen eines Beines oder ein unregelmäßiger Schritt.

Operation der Bandscheibe durch den Tierarzt

Wenn sich die Symptome trotz der Behandlung nicht verbessern oder sogar verschlechtern, dann kommen Sie nicht um eine Operation herum. Bei der Operation muss Ihr Tierarzt das Bandscheibenmaterial, das in die Wirbelsäule eingedrungen ist, entfernen. Danach setzt eine mehrwöchige Regenerationszeit ein, in der Ihr Hund viel Ruhe benötigt und so wenig wie möglich die Wirbelsäule belasten soll. 

Kosten der Bandscheibenoperation bei Hunden

Je nach Komplexität der Operation fallen Kosten im unteren vierstelligen Bereich an. Neben der Operation sind auch die Kosten für die bildgebenden Diagnoseverfahren zu betrachten und ebenso die Kosten für eine Physiotherapie. Hier ist es sinnvoll, wenn Sie bereits in jungen Jahren für Ihren Hund eine Hunde-OP-Versicherung abgeschlossen haben, die dieses Kostenrisiko trägt. Sollte Ihr Hund keine Operation benötigen, dann übernimmt die Behandlung nur die Hundekrankenversicherung. Deshalb ist bei der Anschaffung eine Hundes bereits von Ihrer Seite sorgfältig abzuwägen, welche Form der Absicherung Sie in der Zukunft haben möchten.

Wichtig ist bei einem Bandscheibenvorfall das schnelle Handeln Ihrerseits. Bei rechtzeitiger Diagnose stehen die Heilungschancen gut. Durch eine Verzögerung der Behandlung und falsche Schritte in der Anfangsphase der Diagnostik ist in der Regel eine Operation notwendig. Rückenschmerzen bei Hunden dürfen Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. In schlimmsten Fall kann es sein, dass der Bandscheibenvorfall dazu führt, dass der Hund eingeschläfert werden muss. 

Veröffentlicht unter Hund

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.