Eine heimtückische Infektionskrankheit: die Fohlenlähme

Innerhalb von kurzer Zeit entwickeln sich beim Fohlen krankhafte Störungen wie Fieber, eine Saugunlust und ein gestörtes Allgemeinbefinden. Dazu kommen in manchen Fällen eine Lungenentzündung und Durchfall. Die Rede ist von der Fohlenlähme.

Bedingt vor allem durch das gestörte Allgemeinbefinden kann es passieren, dass das Fohlen innerhalb weniger Stunden so sehr abbaut, dass es verstirbt. Unter Umständen treten die Leitsymptome so schnell ein, dass der Pferdehalter diese gar nicht wahrnehmen kann.

Was geschieht, wenn ein neugeborenes Pferd durch die Fohlenlähme betroffen ist?

Erreger der Fohlenlähme können in unterschiedlichen Phasen ihre Wirkung entfalten. Das kann sowohl im Leib der Mutterstute geschehen, aber auch nach der Geburt.

Unter neugeborenen Pferden gibt es eine Erkrankung, die in vielen Fällen tödlich verläuft und die häufigste Todesursache bei Fohlen ist. Die Infektionskrankheit Fohlenlähme kann bei neugeborenen Tieren bis zu einem Alter von vier Wochen auftreten.

Tiermediziner sprechen bei der Fohlenlähme von Fohlen-Septikämie. Dabei ist der ganze  Körper des Fohlens betroffen. Eine Früherkennung ist also sehr wichtig, um das Leben des neugeborenen Pferdes zu retten.

Symptome der Fohlenlähme

Es hängt davon ab, wann die Infektion erfolgt ist. Hat die Infektion bereits im Mutterleib stattgefunden, so macht das Fohlen bereits kurz nach der Geburt einen lebensschwachen Eindruck. Fohlen, bei denen die Infektion erst in den folgenden Tagen eintritt, zeigen auch erst dann die ersten Symptome für die Fohlenlähme. Sie müssen daher unbedingt auf diese Anzeichen achten:

  • Das Fohlen zeigt sich geschwächt.
  • Das Saugverhalten ist wenig ausgeprägt, das Fohlen nimmt nicht genug Muttermilch auf.
  • Es kommt zu einer Lungenentzündung, die Atmung ist erschwert.
  • Das Fohlen leidet an Durchfall und damit an Flüssigkeitsverlust.
  • Kniegelenke, Hüftgelenke und Sprunggelenke schwellen an und entwickeln Schmerzprozesse wie bei einer Arthrose

Diese Symptome können für sich einzeln oder multipel, also gemeinsam auftreten. Schnelles Handeln ist nun erforderlich, da innerhalb weniger Stunden der Tod eintreten kann.

Wie kommt es zu der Infektion?

Die Fohlenlähme ist eine Infektionskrankheit. Verschiedene Arten von Bakterien können dafür der Auslöser sein. Zu den häufigsten Bakterien, die die Fohlen-Septikämie auslösen, gehören Streptokokken, Kolibakterien und Staphylokokken. Diese Bakterien breiten sich über das Blut aus und befallen in kurzer Zeit vor allem Organe, Atemwege und die Gelenke des Fohlens. Dazu kommen noch andere Faktoren hinzu, die die Fohlenlähme begünstigen. Dazu gehört eine mangelhafte Stallhygiene, Komplikationen bei der Geburt, Frühgeburt, nasskalte Witterung und eine mangelhafte Kolostrumqualität, also die Erstmilch der Mutterstute.

Wie kann sich das Fohlen anstecken?

  • Vor der Geburt: Die Bakterien gelangen über das Blut der Mutterstute in die Plazenta und über die Nabelschnur in den Blutkreislauf des Fohlens. Es kann auch passieren, dass die Bakterien quasi von außen eindringen. Dazu gelangen die Bakterien über die Scheide und den Muttermund in den Körper. Davon wird die Eihaut des Fohlens angegriffen und die Infektion ist gegeben. Anzeichen dafür ist eine Scheideninfektion bei der Stute. 
  • Bei der Geburt: Der Geburtskanal der Stute kann stark mit Bakterien besiedelt sein. Diese nimmt das Fohlen über die Schleimhäute auf und kann sich bereits auf diesem Wege infizieren. Hier sind ebenfalls Anzeichen einer Scheideninfektion bei der Mutterstute vorhanden. 
  • Nach der Geburt: Neugeborene und junge Fohlen können sich bei mangelnder Stallhygiene mit den Bakterien infizieren. Das geschieht auch hier über die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen. 

Tierärztliche Behandlung der Fohlenlähme

Sobald erste Symptome der Fohlenlähme auftreten, müssen Sie unmittelbar Ihren Tierarzt verständigen. Er muss jetzt schnell handeln, um die Gesundheit Ihres Fohlens zu retten. Er muss den Krankheitsverlauf genau nachvollziehen. Dazu stellt er Ihnen Fragen zum Trächtigkeitsverlauf und Geburtsverlauf. Betrachtet werden müssen außerdem Erkrankungen bei der Stute und die Versorgung mit Kolostrum, also der ersten Muttermilch. 

Ferner sind umfangreiche Laboruntersuchungen notwendig, um der Fohlenlähme gesichert auf die Spur zu kommen. Dazu kann der Tierarzt sogenannte Antikörper-Schnelltests durchführen. Ist der Antikörperspiegel zu niedrig, kann das verschiedene Ursachen haben, nämlich ungenügende Kolostrumaufnahme oder Kolostrumqualität sowie einen hohen Verbrauch von Antikörpern. Dieser resultiert in der Regel aus einer schweren Infektion. Ferner spricht der Nachweis von Bakterien im Blut dafür, dass es sich hier um die Fohlenlähme handelt. 

Die Folgen der Fohlenlähme

Wie bereits eingangs beschrieben kann die Fohlenlähme tödlich verlaufen. Wenn das Fohlen bereits infiziert auf die Welt kommt, wirkt es bereits sehr geschwächt und das Sterberisiko ist sehr hoch. Kommt es hingegen bei der Geburt oder nach der Geburt zu einer Infektion, wirkt das Fohlen in den ersten Tagen noch unauffällig. Die Krankheitssymptome entwickeln sich im Laufe der folgenden Tage und führen zu:

  • Lungenentzündung
  • Fieber und Mattigkeit
  • Durchfall
  • Atembeschwerden

Diese Symptome können zum Tod des Fohlens führen. 

Wie kann die Fohlenlähme behandelt werden?

Der wichtigste Schritt ist, Bakterien die für die Fohlenlähme verantwortlich sind, zu stoppen. Dazu nimmt der Tierarzt eine hoch dosierte Antibiose vor, also die zielgerichtete Behandlung mit einem Antibiotikum. Unter Umständen muss das Fohlen je nach Krankheitsverlauf sogar mit Blutplasma versorgt werden, da der Körper des Fohlens diese Antikörper noch gar nicht bilden kann. In den ersten Lebensstunden können Sie das Fohlen mit Kolostrum versorgen. Entweder über eine Flasche oder im Zweifel durch den Tierarzt über eine Nasenschlundsonde. Diese Maßnahme greift aber nur in den ersten Lebensstunden. Nach etwa einem Tag kann das Fohlen über den Darm kaum noch Antikörper in die Blutbahn aufnehmen. 

Sind die Gelenke des Fohlens bereits betroffen, muss der Tierarzt in der Tierklinik eine Spülung der Gelenke vornehmen, um die Infektionsherde zu reinigen und die Bakterien vollständig zu beseitigen. 

Prophylaxe gegen Fohlenlähme

Sinnvoll ist, dass Ihre Stute bereits während der Trächtigkeit geimpft wird. Dadurch soll ein Schutz gegen EHV 1 und EHV 4 (Equines Herpesvirus) aufgebaut werden, um das Risiko von Fruchtbarkeitsstörungen und Fehlgeburten zu reduzieren. Es gibt zwar keine konkrete Impfung gegen Fohlenlähme, mit der genannten Impfung wird das Risiko dieser Infektionskrankheit bei Saugfohlen gemindert.  

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