Der Eichenprozessionsspinner und seine Gefahr für Pferde

Eichenprozessionsspinner

Verätzungen durch Eichenprozessionsspinner: Was schon fast unglaublich klingt, ist für mehrere Pferde in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Süddeutschland schmerzhafte Wirklichkeit geworden. Die Tiere sind mit den Nesselhaaren der Raupen in Berührung gekommen und haben sich dadurch Verätzungen am Maul und an der Augenpartie zugezogen.

Eines der Pferde geriet dadurch in Panik, so dass sich eine Kolik entwickelte. Die betroffenen Halter mussten das Pferd als Notfall in die Tierklinik bringen. Auf den Weiden stehen an verschiedenen Stellen Eichen, an denen sich die Prozessionsspinner festgesetzt haben. Dadurch kam es zum Kontakt zwischen den Raupen und den Pferden.

Was sind Eichenprozessionsspinner?

Vereinfacht gesagt sind es Schmetterlinge, die sich mit ihrer Zeichnung der Umgebung, vor allem Bäumen sehr gut anpassen können und dadurch fast unsichtbar sind. Der Name Prozessionsspinner hat einen konkreten Hintergrund: Die Raupe selber, aus der später der Falter entwächst, bewegt sich mit vielen anderen Artgenossen in einer Art Prozession voran. So sehen sie für potenzielle Fressfeinde wie eine Schlange aus. Die Gefahren gehen nicht vom Falter selber aus, sondern von der Raupe. Diese tragen unzählige kleine Brennhaare, die von der Wirkung in etwa einer Brennnessel gleichkommen. Allerdings befindet sich in den Brennhaaren noch das Gift Thaumetopein. Dieses Gift ist für Mensch und Tier gleichermaßen eine Gefahr.

Vorkommen der Eichenprozessionsspinner

Nest von Eichenprozessionsspinner

Zunächst legt der erwachsene Falter bevorzugt in Eichenbäumen seine Eier ab. Anfang Mai schlüpfen dann aus den Eiern langhaarige Raupen aus. Diese durchlaufen bis zur Verpuppung verschiedene Stadien. Für uns Menschen sind diese Raupen vor allem dann sichtbar, wenn sie sich ähnlich einer Schlange am Baum auf die Suche nach neuer Nahrung begeben. Dabei kommen die Eichenprozessionsspinner auch bei anderen Baumarten vor. Riskant ist erst das dritte Raupenstadium: Jetzt werden die Brennhaare mit den Widerhäkchen gebildet. Diese Brennhaare können leicht abknicken und abfallen. Das darin enthaltene Gift bleibt aber aktiv. So muss es nicht allein durch den Kontakt mit den Raupen zu Verätzungen kommen. Die herabgefallenen Brennhaare verteilen sich durch Wind in der Umgebung der Raupennester. So kommen Pferde beispielsweise beim Grasen mit den Brennhaaren in Kontakt.

Welcher Giftstoff steckt in den Brennhaaren der Eichenprozessionsspinner?

Das Gift, das bei Mensch und Tier die teilweise gefährlichen Reaktionen auslöst, nennt sich Thaumetopoein. Dieses ist in den aktiven und auch abgestorbenen Brennhaaren aktiv. Je nach Organismus kommt es zu unterschiedlichen Symptomen. Dabei muss nicht zwangsläufig jeder Kontakt mit dem Gift bei Mensch oder Tier auch Reaktionen auslösen. Fest steht, dass es zunächst auf der Hautoberfläche durch die winzigen Härchen mit den Widerhaken zu mechanischen Reizungen kommt. Ist die Hautoberfläche beschädigt, so kann darüber das Gift eindringen.

Welche Auswirkungen hat die Berührung mit den Brennhaaren?

Bei Pferden findet der häufigste Kontakt über den Maulbereich statt. Das liegt daran, dass Pferde oftmals bei der Futtersuche auf die abgestorbenen Brennhaare stoßen. Liegen diese im Gras, sind Berührungen mit dem Maulbereich nicht vermeidbar. Deshalb ist es wichtig, dass die Weide bei Befall eines Baumes geräumt wird, damit Pferde nicht in Kontakt mit den Brennhaaren geraten. Durch Aufnahme mit dem Gras gelangen die Brennhaare in die Schleimhäute und lösen dort starke Entzündungsreaktionen aus. Teilweise können davon sogar innere Organe betroffen sein. Beim Pferd kommt es zu Rötungen an den Augen und zum Anschwellen der Atemwege. Atemnot ist die Folge. Deshalb müssen Sie bei dem Verdacht des Kontakts auf alle Fälle den Tierarzt informieren.

Unser Tipp: Sofern Sie über eine Pferdekrankenversicherung verfügen, deckt diese die Kosten für die tierärztliche Behandlung ab.

Wie schützen Sie Ihr Pferd beim Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner?

Neben einer Erstversorgung ist natürlich ganz wichtig, dass Sie den Tierarzt informieren. Er muss dann je nach Schweregrad der Symptome unterschiedliche Medikamente anwenden. Sie können gleichzeitig Ihr Pferd von den Brennhaaren befreien. Spritzen Sie das Fell komplett mit Wasser ab. Benutzen Sie dann eine Bürste, um Ihr Pferd abzurubbeln. Tragen Sie dabei unbedingt Handschuhe, damit Sie nicht auch mit noch vorhandenen Brennhaaren in Berührung kommen. Reiben Sie dabei mit der Bürste aber nicht so fest, dass Sie die losen Brennhaare in die Haut des Pferdes einreiben. Dazu müssen Sie auch Satteldecken, Zaumzeug, Sattel und anderes Reitzubehör ebenfalls gründlich reinigen, sofern dieses mit dem Eichenprozessionsspinner in Berührung gekommen ist.

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