Wenn Hunde aus dem Ausland gerettet werden

Hand berührt eine Hundepfote

Das Internet macht es möglich: Ein paar Suchbegriffe bei Google eingegeben und schon blicken den User traurige Hundeaugen an. Hunde aus dem Ausland, die ein tristes Dasein darben, von allen vernachlässigt und geschunden werden. Wem bricht es da nicht das Herz. Die erste Überlegung: Der Ärmste braucht jetzt jemanden, der sich um ihn kümmert.

Ein emotional geladenes Thema. Denn so herzzerreißend die Blicke der Hunde auch sind, umso mehr Verstand benötigen Sie, wenn Sie richtig an die Sache herangehen möchte, ohne es nachher zu bereuen und den Hund womöglich wieder abgeben zu müssen.

Das Wichtigste auf einen Blick bei der Adoption eines Hundes aus dem Ausland

Einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren ist eine gute Sache, um den Tierschutz zu fördern. Ein paar Punkte sind jedoch wichtig, damit die gute Tat nicht nachher zu einem Fiasko wird.

  • Übernehmen Sie einen Hund niemals aus unbekannten Kanälen, sondern über anerkannte und bekannte Tierschutzorganisationen.
  • Prüfen Sie, ob die Papiere Ihres neuen Vierbeiners in Ordnung sind. Dazu gehören eine Tollwutimpfung, eine Kennzeichnung mit einem Mikrochip sowie ein EU-Heimtierausweis.
  • Beachten Sie, welche Hunde Ihnen aus dem Tierschutz angeboten werden: Manche Hunderassen dürfen nicht nach Deutschland eingeführt werden.
  • Gegenüber dem Kauf eines Hundes beim Züchter stellt der Hund aus dem Tierschutz eine finanziell günstigere Alternative dar. Das bezieht sich aber nur auf die Anschaffungskosten. An den monatlichen Ausgaben ändert das nichts.

Wie leben Hunde in südeuropäischen Ländern?

Die meisten Straßenhunde finden wir in Ländern wie Spanien, Italien, Rumänien, Bulgarien – eben in Süd- und Osteuropa, wo Hunde nicht den Stellenwert wie bei uns haben. Sie leben auf der Straße, werden verfolgt, in Lager gesteckt, getötet oder gequält. Viele Tierschützer versuchen, in den betreffenden Ländern die Situation der Straßenhunde zu verbessern – ohne viel Erfolg. Solange Hunde nach Deutschland vermittelt werden können, das teilweise auch für gutes Geld, sind auch kriminelle Machenschaften im Spiel, die kein Interesse daran haben, dass der Strom der herrenlosen Hunde abreißt.

Wie kann die Vermittlung eines Hundes aus dem Ausland sauber ablaufen?

Viele Tierheime in Deutschland präsentieren die Hunde, die aus dem Ausland gekommen sind, auf ihren Facebook-Seiten. Sie können dort also schauen, welcher von den Vierbeinern Ihren Gefallen findet. Tierheime haben ein großes Interesse daran, dass die vermittelten Hunde vernünftig untergebracht werden. Daher fragen die Helfer vielerlei Dinge ab, zum Beispiel zur häuslichen Situation, Erfahrung mit Hunden oder beruflichen Tätigkeiten. Teilweise möchten die Mitarbeiter des Tierheimes sogar Ihr Heim für eine Art Vorkontrolle besuchen. Das dient Ihnen letztendlich auch, denn so kann das Tierheim einschätzen, ob der betreffende Hund bei Ihnen auch gut unterkommt.

Fallen Sie nicht auf Emotionen herein

In vielen Ländern in Süd- und Osteuropa werden Welpen in großer Anzahl geworfen. Kastration oder Sterilisation setzen sich dort noch nicht so durch wie bei uns. Da die Welpensterblichkeit hoch ist, setzen unseriöse Vermittler alles daran, um diese Welpen so schnell wie möglich an den Mann zu bringen. Das geschieht im multimedialen Zeitalter gerne über Facebook, Pinterest und Co. Dabei werden Bilder von gequälten und eingepferchten Hunden und Welpen online gestellt, um den moralischen Druck zu erhöhen. Schnell reagieren Hundefreunde auf diese Bilder, um sich der bedrohten Hunde anzunehmen. In vielen Fällen ist den Tierschutzorganisationen daran gelegen, die Schutzgebühren zu kassieren.

Wenn jedoch eine seriöse Tierschutzorganisation hinter der Vermittlung steht, wird diese Ihnen in jedem Fall Nachweise zur Kastration oder Sterilisation, Impfungen oder Wurmkuren liefern. Die Schutzgebühr für die Übernahme eines Hundes aus dem Ausland liegt in einem Rahmen zwischen 280 Euro und 350 Euro. Diese Beträge kommen nach Abzug der Kosten für die Vorsorgemaßnahmen in der Regel auch dem Tierschutz vor Ort zugute.

Falsche Erwartung und dann die große Enttäuschung

Hunde aus dem Ausland sind dankbare und liebenswerte Wesen, keine Frage. Wenn ein Hund aber jahrelang geschunden wurde, ist seine Dankbarkeit in den ersten Wochen mehr als spartanisch. Er wird Ihnen nicht von dem Moment an, wo Sie ihn aus dem Tierheim geholt haben, freudig in die Arme springen, sondern erst einmal mit Scheu, Angst und auch Aggressionen reagieren. Im Übrigen können Sie sich darauf einstellen, dass mit Ihrem neuen Weggefährten eine Menge Lernarbeit ansteht. Dinge wie Gassi gehen oder Hundeleinen sind ihm völlig fremd. Ebenso kann es sein, dass er nicht stubenrein ist. Schließlich hat kein Mensch vorher danach geschaut, wo sich der Hund lösen kann. Es wird durchaus Nerven kosten und viel Zeit in Anspruch nehmen.

Welche Probleme können auftreten?

Wenn der Hund aus einem Tierheim aus Südosteuropa kommt, dann kann eine Vielzahl von Problemen auftreten. Zunächst einmal werden Hunde im Ausland in der Regel anders angepackt als bei uns. Der Tierschutz steht dort kaum auf irgendeiner Agenda. Infolgedessen wurde Ihr neuer Freund in der Vergangenheit häufig mit Schlägen konfrontiert. Das hat ihn zuweilen auch aggressiv gemacht und wenig vertrauensselig. Da kommt noch viel Arbeit auf Sie zu. Ebenso sind die hygienischen Verhältnisse dort nicht zum Besten gestellt. Sie müssen also damit rechnen, dass Krankheiten vorhanden sind, für die Sie beim Tierarzt noch einiges an Geld auf den Tisch legen werden.

Worauf dürfen Sie bei der Adoption eines Hundes auf gar keinen Fall eingehen?

Es ist kaum zu glauben, aber auch unter den Tierheimen gibt es schwarze Schafe. Deshalb ist es wichtig, so viele Informationen wie möglich über das Tierheim zu bekommen, über das Ihr neuer Hund vermittelt wird. Lassen Sie sich nicht zur Aufnahme des Hunds drängen. Es ist auch mehr als bedenklich, wenn die Mitarbeiter Ihrem Wunsch nach einem Hund zügigst entsprechen, ohne mit Ihnen bestimmte Aspekte wie das häusliche Umfeld oder Ihre Erfahrung mit Hunden zu klären. Achten Sie vor allem darauf, dass Impfunterlagen soweit wie möglich vorhanden sind. Die Schutzgebühr sollte im Schnitt anderer vermittelnder Tierheime liegen und nicht über das normale Maß hinausschießen.

Was in kaum einem Fall gut ausgeht: Verabreden Sie keine Übergabe oder Kauf eines Hundes oder Welpen auf irgendwelchen Autobahnparkplätzen, die direkt vom Laster aus übergeben werden. Hier handelt es sich in der Regel um Hunde, die aus Qualzuchten stammen und illegal hier nach Deutschland gebracht wurden.

Hunde aus dem Ausland adoptieren – das Für und Wider

Tierfreunde befürworten die Adoption von Hunden aus anderen Ländern, da die Vierbeiner dort relativ schlechte Überlebenschancen haben. Sie werden geschunden, vergiftet oder vom Auto überfahren. Da bietet es sich an, viele dieser Fellnasen nach Deutschland zu holen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Auf der anderen Seite lässt sich das Streunerproblem im Ausland nicht durch Adoption lösen. Denn auch hier gibt es bereits mehr Hunde als ein gutes Zuhause. Nicht umsonst sitzen so viele Hunde in unseren Tierheimen.

Es gibt in den betroffenen Ländern nur Platz für eine begrenzte Anzahl von Hunden. Ein Teil von ihnen überlebt das Streunerdasein, der andere Teil stirbt. Werden Streuner nach Deutschland geholt, überleben wiederum andere Hunde. Das Problem reißt also nicht ab. Hilfreich sind in dieser Situation vor allem Projekte, die das Umdenken der Bevölkerung vor Ort bewirken können. Durch die Adoption von Hunden nach Deutschland erhalten diese mehr Spenden und können besser mit ihrer Arbeit auf sich aufmerksam machen.

Werden durch Hunde aus dem Ausland unsere Tierheime voller?

Ein häufiges Contra-Argument lautet: Mit jedem adoptierten Hund aus dem Ausland steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Tierheime hier voller werden. Es ist tatsächlich der Fall, dass viele Tierschutzorganisationen Hunde vermitteln, die auch gerne angenommen werden. Es sind Welpen, familienfreundliche Hunderassen, Hunde mit dem berühmten Dackelblick oder Vierbeiner, die auf unbekannte Einflüsse gelassen reagieren. Hunde mit gewissen Macken sind in unseren Tierheimen genug untergebracht. Das sind Fellnasen mit gesundheitlichen Problemen, sogenannte Listenhunde oder Hunde mit Aggressionsproblemen.

Werden diese Hunde tatsächlich noch adoptiert, wenn stattdessen der niedliche Welpe aus dem Tierschutz verfügbar ist? Wahrscheinlich nicht. Diese Hunde in unseren Tierheimen, die ebenfalls ein Zuhause suchen, brauchen Frauchen oder Herrchen, die sich gezielt mit dem Tier befassen. Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass regelmäßig adoptierte Hunde in den Tierheimen landen, weil sie die Erwartungen nicht erfüllen. Nicht familientauglich, zu ungestüm, nicht beherrschbar oder sogar krank: Nach der anfänglichen Euphorie für den neuen Familienhund steht am Ende doch wieder das Tierheim.

Der individuelle Rettungsgedanke

Für viele Hundefreunde, die einen Hund aus dem Ausland aufnehmen, steht tatsächlich das Wissen einen Hund gerettet zu haben im Vordergrund. Dabei müssen Hundefreunde aber auch beachten, dass ein geretteter Hund nicht automatisch ein dankbarer Hund ist. Es liegt auch viel am Wechsel des Umfeldes, ob sich ein Hund glücklich fühlt. Ein Hund, der womöglich sein Leben auf einer Finca in Spanien in einem Rudel verbracht hat, wird sich sicherlich nicht auf Anhieb in der Großstadt wohlfühlen. Ebenso können Streuner einen erhöhten Freiheitsdrang haben und benötigen daher entsprechend Auslauf, Bewegung und Kontakt mit anderen Hunden.

Fazit zur Adoption von Hunden aus dem Ausland

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, einen Hund aus dem Ausland zu adoptieren, müssen Sie eine Menge Dinge berücksichtigen. Angefangen von der Herkunft und dem vorherigen Umfeld bis hin zu möglichen Erkrankungen sollten Sie sich umfangreich über das neue Familienmitglied informieren. Denken Sie daran, dass Ihr Vierbeiner von jetzt an viele Jahre mit Ihnen verbringen soll. Ansonsten führt der Gedanke zur Rettung eines Hundes nur zu einem weiteren Fall für ein Tierheim. Sorgen Sie zudem mit entsprechenden Versicherungen gegen möglicherweise ungewollte hohe Ausgaben vor. Dazu gehört die Hundehaftpflicht, damit Sie einen Schaden, den Ihr Hund verursacht, nicht aus eigener Tasche bezahlen müssen. Ebenso ist die Hundekrankenversicherung empfehlenswert, damit hohe Tierarztkosen keine Löcher in Ihre Haushaltskasse reißen.

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