Pferde im Alter: Wenn die Zipperlein zunehmen

Hand berührt ein Pferd

An unseren Pferden geht das Älterwerden nicht spurlos vorbei. Sie spüren, wenn sie in die Jahre kommen und lassen es etwas ruhiger angehen.

Wir können viel für die Gesundheit unserer Pferde bewirken, wenn wir die Anzeichen des Alters richtig deuten und auch erkennen.

Wie alt werden eigentlich Pferde?

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Pferden liegt zwischen 20 und 35 Jahren. Insbesondere die robusten Islandponys und Fjordponys können locker bis über 35 Jahre alt werden. Das älteste bekannte Pferd war das englische Schlepppferd Old Billy. Es starb im Jahr 1822 und wurde 62 Jahre alt. Großpferde erreichen in der Regel ein Alter von 20 bis 30 Jahren. Auch hier hängt es von der Pferdeart ab, wie hoch die Lebenserwartung ist:

  • Kaltblüter kommen auf etwa 16 bis 18 Jahre
  • Warmblutrassen erreichen ein Alter von durchschnittlich 20 Jahren
  • Je nach Einsatzzweck werden Vollblüter bis zu 25 Jahre alt
  • Professionelle Turnierpferde liegen wiederum unter den genannten Durchschnittswerten, da sie einer hohen körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt sind

Wie alt sind Pferde im Vergleich zu Menschen?

Pauschal lässt sich nicht sagen, ab wann Pferde alt sind. Es hängt ja, wie bereits beschrieben, von der Rasse ab. Bei Pferden gilt aber ähnlich wie beim Menschen: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Bei manchen Pferden tauchen diese Alterserscheinungen eher auf, bei anderen Pferden später. Eine Faustregel können Sie jedoch anwenden. Wenn Ihr Pferd 18 Jahre ist, geht es als Senior durch. Hintergrund ist, dass das Alter von 18 Jahren etwa 63 Menschenjahren entspricht. Also die Phase, in der die ersten von uns in Rente gehen. So ist das Pferdealter mit dem Menschenalter vergleichbar:

  • Pferd 1 Jahr = Mensch 12 Jahre
  • Pferd 3 Jahre = Mensch 23 Jahre
  • Pferd 5 Jahre = Mensch 31 Jahre
  • Pferd 10 Jahre = Mensch 44 Jahre
  • Pferd 15 Jahre = Mensch 56 Jahre
  • Pferd 20 Jahre = Mensch 69 Jahre
  • Pferd 25 Jahre = Mensch 81 Jahre
  • Pferd 30 Jahre = Mensch 94 Jahre

Viele Pferde sind also im Vergleich zum Menschen noch als sehr rüstig zu bezeichnen.

Welche Veränderungen treten bei Pferden im Alter auf?

Bei älteren Pferden macht sich am häufigsten eine veränderte Fellbeschaffenheit bemerkbar. Bei den Pferdesenioren sind die Deckhaare häufig viel länger. Sie werfen ihr Winterfell im Frühjahr deutlich später ab als junge Pferde. Dadurch sind sie anfälliger für hohe Temperaturen und geraten schnell ins Schwitzen. Daneben führt der Wechsel nicht selten dazu, dass durch das anfällige Immunsystem häufiger Infektionskrankheiten auftreten. Typische Anzeichen für das Alter bei Pferden sind unter anderem auch:

  • Ihr Pferd verliert an Gewicht, da die Nährstoffverarbeitung nicht mehr einwandfrei verläuft und es allgemein weniger an Futter aufnimmt.
  • Das Gesicht Ihres Pferdes wirkt eingefallen, über den Augen bilden sich Höhlen.
  • Bei Ihrem Pferd hängt der Rücken durch und der Widerrist steht hervor.
  • Um die Augen, Ohren, das Maul oder die Stirn bilden sich graue Haare.
  • Die Beweglichkeit Ihres Pferdes nimmt ab.
  • Die Augen Ihres Pferdes wirken betrübt.
  • Ihr Pferd verliert bei der Haut an Elastizität und die Unterlippe hängt leicht herunter.

Pferde im Alter verändern ihr Verhalten

Man sagt Pferden im Aller mehr Gelassenheit nach. Das ist auch richtig, denn Ihr Pferd hat in vielen Jahren seines Lebens reichliche Erfahrungen sammeln können. Das führt dazu, dass sie weniger aufgeregt sind, auf der Weide mehr Ruhe ausstrahlen und auch nicht bei jedem mehr oder weniger unbekannten Geräusch zusammen zucken. Wenn Sie ein etwas ängstlicheres Pferd haben, wird es im Alter sicherlich nicht alle seine Ängste über Bord werfen, aber dennoch ein Stück weit ruhiger werden.

Übrigens: Bei Pferden gibt es auch so etwas wie Alterssturheit. Sie können sich weniger schnell mit neuen Gegebenheiten anfreunden, da sie körperlich nicht mehr so mithalten können wie die Jungpferde auf der Weide.  Versuchen Sie daher, ungewohnte Situationen zu vermeiden, die für Ihr Pferd Stress bedeuten können.

Kommt es bei alten Pferden häufiger zu Erkrankungen?

Pferde im Alter sind weniger belastbar und anfälliger für Erkrankungen. Sie als Pferdefreund werden sich daran gewöhnen, dass Ihr großer Liebling nicht mehr so elanvoll wie früher ist, auf Stress anders reagiert und manchmal auch nur widerwillig Arbeit verrichten will. Neben diesen Umständen gibt es auch eine Reihe von Krankheiten, von denen Pferde im Alter häufig betroffen sind.

Störungen im Hormonhaushalt

Eine typische Alterserkrankung, die bei Pferden vor allem ab dem 15. Lebensjahr auftritt, ist das Equine Cushing-Syndrom, kurz ECS. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse, die vermehrt das Hormon ACTH ausschüttet. In der Nebennierenrinde bildet sich dadurch Kortisol, das wiederum zu einer Insulinresistenz führt. Bei der Hälfte der betroffenen Pferde kann es im Verlaufe der Erkrankung zu einer Hufrehe kommen. Sichtbare Anzeichen für das ECS sind Leistungsschwäche, Abmagerung, der Abbau von Muskelmasse und ein Senkrücken. Dazu kommt, dass im Körper des Pferdes eine Fettumverteilung sichtbar ist. Fettdepots bilden sich an Augen und am Hals. Dazu schwitzen betroffene Pferde und müssen häufig trinken und parallel Wasserlassen. Diese Erkrankung gehört in jedem Fall in die Hände eines Tierarztes, der hier mit Medikamenten entgegensteuern kann.

Es kommt zu Tumoren

Dass sich Tumore zwangsläufig im Alter bilden, ist bei Pferden wie auch bei uns Menschen umstritten. Viele Tumorarten treten aber deutlich seltener auf als beim Mensch. Die größte Gruppe der Tumore stellen die Melanome dar, die als equine Tumore und als Hauttumore auftreten können. Die Tumore treten unterschiedlich auf: Es gibt gutartige Tumore, die sich in bösartige Tumore verwandeln. Dann sind da noch die Tumore, die von Anfang an bösartig sind und letztendlich die Tumore, die gutartig sind und langsam wachsen, ohne dabei Metastasen zu bilden. Anzeichen für Tumore sind kleine, sich bildende Warzen rund um die Augenpartie, das Maul, den After und den Genitalbereich. Auch hier ist es notwendig, dass Sie bei den ersten Anzeichen mit Ihrem Tierarzt sprechen. Er muss entscheiden, welche Behandlung nun notwendig ist, um die Gesundheit Ihres Pferdes zu erhalten.

Schleichende Gelenkveränderungen

Die Arthrose ist eine der häufigsten Alterserscheinungen. Der Knorpel zwischen zwei Knochen bildet sich langsam zurück, so dass zwischen den Knochen immer mehr Reibung entsteht und auch kein Puffer mehr bei stoßartigen Bewegungen vorhanden ist. Die Folge ist, dass Pferde in den Gelenken zunehmend unter Schmerzen leiden. Dazu reagieren die Knochen mit Zubildungen und die Gelenke mit Entzündungen. Das Pferd zeigt Lahmheitserscheinungen, es fällt durch einen langsamen und unsicheren Gang auf. Eine Heilung der Arthrose ist nicht möglich, hier kann der Tierarzt nur schmerzlindernde Medikamente verabreichen, um die Lebensqualität Ihres Pferdes zu erhalten.

Tipp: Eine lange andauernde tierärztliche Behandlung ist hier unumgänglich, kostet aber auch viel Geld wegen der regelmäßigen Tierarztbesuche und der Medikamente. Hier kann eine Pferdekrankenversicherung dazu beitragen, dass diese Kosten deutlich abgefedert werden.

Kreislaufprobleme

Wie auch bei uns Menschen ist im Alter der Kreislauf des Pferdes nicht mehr so belastbar wie bei jungen Tieren. War Ihr Pferd mit Ihnen in den vergangen Jahren noch munter durch Wald und über Felder galoppiert, so zeigt sich jetzt, dass Ihr großer Liebling nun häufiger Pausen benötigt und sich erholen muss. Hitze und Kälte machen dem Pferd jetzt zu schaffen, vor allem im Winter kann eine Pferdedecke nicht schaden. Nehmen Sie einfach ein bisschen Rücksicht auf Ihren Senior und strapazieren Sie ihn nicht zu sehr. Hier liegt es vor allem an Ihnen, dass Ihr Pferd gesund bleibt. Zeigen sich aber nach dem Ausreiten oder dem Herumtoben auf der Weide Kurzatmigkeit, ein starker Leistungsabfall, Appetitlosigkeit und bläulich gefärbte Schleimhäute, so kann das auf eine Herz- oder Kreislauferkrankung hindeuten. Hier ist in jedem Fall die Untersuchung durch einen Tierarzt notwendig.

Halten Sie Ihr Pferd immer im Auge und achten Sie auf die noch so kleinsten Veränderungen. Alles, was Sie beobachten, können Anzeichen für eine aufkommende Erkrankung sein. Dann ist schnelles Handeln erforderlich und ein Tierarztbesuch notwendig, damit es Ihrem Pferd noch lange gut gehen kann.

Wie lange können Sie Pferde im Alter noch reiten?

Darauf gibt es ebenfalls keine pauschale Antwort. Dieser Faktor hängt nicht vom Alter ab, sondern der Leistungsfähigkeit Ihres Pferdes und den Anspruch, den Sie an Ihr Pferd haben. Vom Grundsatz her gelten folgende Regeln für ältere Pferde:

  • Reiten Sie Ihr Pferd im Alter nur, wenn es gesund ist und dazu mental in der Lage ist.
  • Beobachten Sie den Leistungsabfall Ihres Pferdes und gönnen Sie ihm einen verdienten Ruhestand.
  • Extreme Belastungen wie aufwendige Parcoursarbeit, langes Galoppreiten oder abrupte Bewegungswechsel sollten Sie jetzt nicht mehr durchführen.
  • Kommt es zu Gelenkproblemen und Gewichtsverlust, dann wird es Zeit, die Belastungen herunterzuschrauben und den Ruhestand anzupeilen.
  • Verzichten Sie aber dennoch nicht auf Bewegung: Gemeinsame Spaziergänge eignen sich prima zur Abwechslung und Beschäftigung.
  • Nutzen Sie die Rentenjahre Ihres Pferdes für Bodenarbeit: Hier kann Ihr Pferd noch mit ein paar Herausforderungen arbeiten, ohne dass es sich physisch überfordert.

Brauchen Pferde im Alter eigentlich noch Versicherungsschutz?

Diese Frage stellen sich viele Pferdefreunde. Eigentlich ist das Pferd nicht mehr im Beritt, es steht als Beisteller auf der Weide und tobt nicht mehr herum. Daher rührt oftmals die Überlegung, die Pferdehaftpflichtversicherung zu kündigen. Die Kosten lassen sich sparen. Das ist aber ein folgenschwerer Irrglaube, denn für Pferde im Alter haften Sie als Halter genauso wie für junge Pferde. Auch die Pferderentner können beim Spaziergang ausbüchsen und einen Schaden verursachen. Der kommt Sie dann ohne Pferdehaftpflicht teuer zu stehen. Besser ist, wenn Sie sich beim Versicherungsschutz konkret daran orientieren, ob es Sondertarife für Gnadenbrotpferde gibt. Die liegen von den Kosten bei rund einem Drittel einer normalen Pferdehaftpflichtversicherung.

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