Pferde im Frühjahr anweiden

grasendes Pferd

Nach den ersten verlockenden können es die meisten Pferdefreunde kaum noch erwarten, ihren großen Liebling wieder auf die Weide zu bringen. Dabei ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Der Futterwechsel spielt beim Anweiden des Pferdes eine große Rolle.

Seit dem Herbst haben viele Pferde auf das Weidegras verzichtet und stattdessen Heu oder Heulage bekommen. Dadurch haben sich im Darm Zellulose zersetzende Bakterien vermehrt, damit die aus Heu und Stroh verwertbaren Bestandteile zerlegt werden konnten. Deshalb muss der Verdauungstrakt auf das neue Nahrungsangebot komplett umgestellt werden.

In fünf Schritten richtig anweiden

Pferde, die das ganze Jahr auf der Weide gehalten werden, gewöhnen sich besser an die Veränderungen, die die Natur mit sich bringt. Der steigende Eiweißgehalt ist für sie kein Problem, da ihre Darmbakterien bereits durch die kontinuierliche Ausnahme von Gras gut vorbereitet sind. Das ist bei Pferden, die den Winter über im Stall waren, nicht der Fall. Deshalb gilt es, das Anweiden langsam angehen zu lassen:

  • Der richtige Zeitpunkt: Mitte April bis Anfang Mai sind die Gräser hoch genug gewachsen, dass die Pferde nicht nur die Grasnarbe herausrupfen, sondern tatsächlich frisches Gras aufnehmen.
  • Kurze Weidephasen: Sonst schlägt sich Ihr Pferd den Bauch mit Gras voll – das hat fatale gesundheitliche Folgen.
  • Zeit lassen: Mindestens zwei Wochen Zeit müssen Sie Ihrem Pferd für das Anweiden geben.
  • Sattmacher verfüttern: Heu, Heu und nochmals Heu. Schicken Sie Ihr Pferd gesättigt auf die Weide, damit es sich am frischen Gras nicht überfrisst.
  • Regelmäßig Bewegung: Dadurch wird die Verdauung angeregt und das Risiko einer Kolik oder der Hufrehe sinkt.

Welche Risiken bestehen beim Anweiden im Frühjahr?

Gestern noch Heu, heute schon Gras: Was mancher Pferdefreund für seinen Vierbeiner als echte Bereicherung nach dem Winterspeiseplan betrachtet, stellt ein erhebliches Risiko dar: Denn das frische Gras hat einen hohen Anteil an Kohlehydraten, die das Pferd im Dünndarm verarbeiten muss. Werden diese nun in großer Menge über das Fressen von Gras aufgenommen, landen diese teilweise unverdaut im Dickdarm. Der Verdauungsapparat ist noch nicht bereit für eine solche radikale Nahrungsumstellung.

Wie schnell kann es zu Erkrankungen durch falsches oder zu schnelles Anweiden kommen?

Wenn man mal betrachtet, in welcher Geschwindigkeit ein Pferd locker ein paar Kilo Gras vertilgt, dann liegt es auf der Hand: Diese radikale Futterumstellung kann innerhalb weniger Tage zu Erkrankungen führen. Ein ausgewachsenes Pferd frisst mal eben in einer Stunde fünf bis sechs Kilo Gras. Daher ist es sinnvoll, Pferde zu Beginn der Weidezeit erst einmal mit Heu satt zu füttern, damit sie nicht direkt die ganze Wiese in Angriff nehmen. So kann sich der Magen langsam auf das Weidefutter umstellen, da es nicht in zu großen Mengen aufgenommen wird.

Koliken durch zu viel frisches Gras

Hoher Eiweißgehalt und ein hoher Fruktangehalt löst beim Pferd im Darm eine hohe Besiedlung von Mikrobakterien aus. Dadurch kommt es zu einer Herabsetzung des pH-Wertes im Verdauungstrakt. Fäulnisbakterien vermehren sich rasant und die freigesetzten Gifte gelangen über die Darmwand in die Blutbahn. Innerhalb des Verdauungstraktes kommt es zu straken Aufblähungen und damit zu Koliken.

Koliken sind der Schrecken aller Pferdefreunde. Nicht nur, dass Lebensgefahr für Ihr Pferd besteht. Die tierärztliche Versorgung kostet schnell einen mittleren Betrag. Dagegen bietet die Pferdekrankenversicherung finanziellen Schutz.

Warum kann es beim Anweiden zur Hufrehe kommen?

Die Temperaturschwankungen zu Frühlingsbeginn machen dem Gras schwer zu schaffen. Nachts ist es nass und kalt, tagsüber ist die direkte Sonneneinstrahlung bereits sehr warm. Dadurch bildet sich reichlich Fruktan. Dafür ist das Verdauungssystem des Pferdes nicht ausgelegt, da es von Natur aus ja trockenes Steppengras gewohnt ist. Dabei entstehen durch die massive Aufnahme dieser Kohlenhydrate Stoffwechselgifte, die sich nach und nach im Gewebe ablagern. Die Folge ist, dass durch diese Gifte die Huflederhaut schlechter durchblutet wird und es zu einer Hufrehe kommt.

Kann es durch frisches Gras zu Durchfall kommen?

Das Gras auf der Weide unterscheidet sich durch seinen Energiegehalt vom Steppengras, denn das Weidegras dient eigentlich einem anderen Zweck, nämlich der Milchviehhaltung. Darum ist das Weidegras sehr energiereich und fördert bei Kühen oder Ziegen die Milchproduktion. Bei Pferden hingegen löst das zu schnelle Anweiden und die damit verbundene zu schnelle Aufnahme von frischem Gras neben den bereits erwähnten Erkrankungen auch Durchfall aus.

Stellen Sie dabei fest, dass Ihr Pferd an Durchfall leidet, müssen Sie einen Gang zurückschalten und vermehrt Heu zur Fütterung verwenden. Dabei muss die Weidezeit vor allem in der Wachstumsphase an das jeweilige Pferd angepasst werden. Wichtig ist zudem, die Nächte im Auge zu behalten: Sind diese frostig und der darauffolgende Tag sehr sonnig, ist die Konzentration an Fruktan im Gras sehr hoch. Deshalb sollten die Pferde an solchen Tagen nur kurz auf die Weise, damit nicht zu viel Gras aufgenommen wird.

Wie können Pferd richtig angeweidet werden?

Da Pferde auf der Weide viel Gras aufnehmen, ist die Fütterung im Vorfeld schon von Bedeutung. Daneben sollte das Pferd nicht von einem auf den anderen Tag ganztägig auf die Weide gebracht werden, sondern immer schrittweise. Zu Beginn reichen 20 Minuten Weidegang, dann geht es wieder ab in den Stall. Diese Weidezeit sollte täglich um 15 bis 20 Minuten verlängert werden, in der dritten Woche aufgeteilt auf etwa gleichlange Phasen am Vormittag und am Nachmittag. Dadurch geben Sie dem Verdauungsapparat Ihres Pferdes Zeit, sich auf die Ernährung mit Gras langsam umzustellen. Nach ungefähr vier Wochen sollte bei gesunden Pferden der Futterwechsel vollzogen sein.

Wenn möglich, führen Sie Ihr Pferd zum Anweiden selber aus. Dann haben Sie es in der Hand, was Ihr Pferd frisst. Setzen Sie dafür Leine oder Halfter ein. Dadurch können Sie Ihr Pferd entsprechend an die Stellen lotsen, wo es frisches Gras zum Fressen gibt. Von da können Sie Ihr Pferd nach wenigen Minuten an eine andere Stelle führen. Da die Weide noch nicht abgemäht ist, kann es sein, dass noch hier und da schädliche Pflanzen sprießen. Meiden Sie deshalb die Stellen, wo Sie auf üppige Pflanzenpracht treffen. Machen Sie sich nach dem Weidegang ein Bild davon, was dort auf der Weide blüht und informieren Sie den Eigentümer darüber. So können Sie verhindern, dass Ihr Pferd beispielsweise giftige Pflanzen wie Eibe, Goldhafer, Hahnenfuß oder Jakobskreuzkraut aufnimmt.

Anweiden bei Sonnenschein oder bei schlechtem Wetter?

Pferde im Regen

Sonnenschein trägt dazu bei, dass das Gras Energie speichert. Wenn die Witterung eher trüb ist, ist die Gelegenheit besser, Pferde mit einem empfindlichen Magen an die Weide zu gewöhnen. Wichtig ist auch, dass die Weide nicht frisch gemäht wurde. Dadurch entwickeln Gräser nämlich eine Art Schutzmechanismus. Der führt dazu, dass wiederum mehr Energie gespeichert wird.

Wenn es zeitlich möglich ist, können Sie Ihr Pferd auch in der Nacht oder spät nach Sonnenuntergang auf die Weide bringen. Der Vorteil dabei ist, dass die Gräser die Energie, die sie im Laufe des Tages aufgenommen haben, selber verbrauchen.

Das Anweiden nimmt viel Zeit in Anspruch

Das Wichtigste ist für Pferde ergänzend zur behutsamen Ernährungsumstellung ausreichend Bewegung. Wie bei uns Menschen verbrennt das Pferd beim Ausreiten Kalorien. Darüber hinaus kommt es beim Reiten auch nicht so schnell dazu, erneut zu fressen. Außerdem müssen Pferde, die bereits in der Vergangenheit Hufrehe hatten, noch langsamer an die Weidezeit  gewöhnt werden. Denken Sie immer daran, dass der abrupte Futterwechsel Krankheiten nach sich ziehen kann. Wenn Sie selber nicht täglich Umgang mit Ihrem Pferd haben, achten Sie unbedingt darauf, ob der Stallbesitzer sich verantwortungsvoll zeigt und die Pferde langsam auf die Weidezeit einstellt.

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