Wie gefährlich ist Schlafmangel für Pferde?

Pferd liegt im Heu

Drei Pferde in einem Stall und alle verhalten sich merkwürdig: Die Stute Princess reagiert gereizt und wirkt unkonzentriert, der Wallach Kingdom nimmt seine Umgebung nicht wahr und wirkt apathisch. Dazu kommt noch die Stute Fee, die ständig in ihrer Box hin und her läuft und dabei schon fast hysterisch wirkt.

Alle drei Pferde haben eines gemeinsam, was für den Reitfreund nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die Pferde leiden an einer Schlafstörung, die bei Pferden deutlich häufiger vorkommt als bislang angenommen wurde. Schlafmangel ist bei Pferden kein Einzelfall und stellt eine massive gesundheitliche Beeinträchtigung dar.

Unser Tipp: Sichern Sie schon im jungen Alter das Risiko hoher Tierarztkosten mit der Pferdekrankenversicherung ab.

Welche Folgen kann der Schlafmangel für Pferde haben?

Pferd liegt im Heu

Wie bei uns Menschen auch schlägt Schlafmangel irgendwann auf die Psyche. Eine durchwachte Nacht ist ja noch kein Problem, wenn ein Pferd dagegen über Wochen und Monate nicht richtig schlafen kann, dann wird es zum Problem. Wenn Pferde völlig übermüdet sind, fallen sie stehend in die REM-Phase des Schlafes. Das hat zur Folge, dass die komplette Muskelspannung nachlässt und das Pferd zusammenbricht. Die REM-Phase steht für den Traumschlaf, REM bedeutet Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegung. Wenn wir träumen, bewegen sich die Augen sehr schnell. Dabei lässt die Muskelspannung nach. Pferde müssen daher während dieser Phase liegen. Gesunde Pferde benötigen ungefähr drei bis fünf Stunden Schlaf, davon eine bis drei Stunden im Liegen.

Kommt es bei Schlafstörungen zu Verletzungen?

Wenn wir unser Schlafverhalten betrachten, sind Verletzungen wegen Schlafmangels eher die Seltenheit. Außer, wir fallen vom Bürostuhl. Bei Pferden ist es anders. Da sie im Schlafen stehen und bei Übermüdung stehend in die REM-Phase fallen, brechen sie komplett zusammen. Zuerst sinkt der Kopf immer tiefer, dann beginnen sie zu schwanken. In der Folge knicken die Vorderläufe und dann die Hinterläufe ein. Dabei kommt es in vielen Fällen zu Verletzungen am Kopf und an den Gliedmaßen. Eine tierärztliche Behandlung wird notwendig, die schnell im vierstelligen Bereich liegen kann. Tipp: Sichern Sie sich gegen diese Kosten mit der Pferdekrankenversicherung ab. Diese leistet nicht nur bei ambulanten Behandlungen, sondern deckt auch Kosten einer möglicherweise notwendigen Operation ab.

Welche Gründe gibt es, warum sich Ihr Pferd nicht hinlegen will?

Stress, der Stallwechsel und zu viele Artgenossen – die Gründe sind vielfältig. In erster Linie tritt Forschungen zur Folge der Schlafmangel nach einem Stallwechsel auf. Für viele Pferde war die Liegefläche zu klein, weshalb sie sich nicht hinlegten. In einem größeren Offenstall kann es passieren, dass die Rangordnung unter den Pferden zu Unruhe in der Nacht führt, somit bekommt das Pferd auch nicht ausreichend Schlaf, weil einfach keine Ruhe einkehrt. Dazu spielen gesundheitliche Aspekte eine gewichtige Rolle. Leidet ein Pferd an einer Arthrose, kann es nur schwer oder unter Schmerzen aufstehen. Daher vermeidet es auch, sich hinzu legen. Die Übermüdung ist damit wieder vorprogrammiert und Verletzungen durch die im Stehen durchlebte REM-Phase.

Können Sie auf Schlafstörungen reagieren?

Pferd im Stahl

Wenn Ihr Pferd ungewöhnlich reagiert, in dem es häufig gereizt ist oder apathisch wirkt, sollten Sie gewarnt sein und die Anzeichen ernst nehmen. Versuchen das Schlafverhalten Ihres Pferdes zu beobachten. Ergründen Sie parallel mögliche Ursachen. Haben Sie kurz zuvor den Stall gewechselt, ist das Einstreu in der Box gewechselt worden? Ist die Liegefläche groß genug? Pferde liegen zumeist lieber auf Stroh als auf Spänen oder sogar Gummimatten. Dazu sollte die Liegefläche mindestens das Dreifache der Widerristhöhe betragen.

Ist die Unruhe im Stall nachts zu groß? Dann bleibt in manchen Fällen nichts anderes übrig, als einen Stallwechsel vorzunehmen. Ihr Pferd benötigt deutlich mehr Ruhe vor anderen Artgenossen als Sie es bisher angenommen haben. Zwar kann der Stallwechsel auch kurzzeitig zu den Schlafproblemen beitragen. Kehrt aber die Ruhe ein, so wird sich Ihr Pferd daran gewöhnen und auch wieder in den Schlaf kommen. Wichtig ist, dass Sie das Problem absolut ernst nehmen. In einer von Tierärzten beobachteten Studie mussten Pferde sogar wegen der psychischen Leiden oder erlittenen Verletzungen eingeschläfert werden. Schlafmangel stellt also eine sehr große Bedrohung für das Wohl Ihres Pferdes dar.

3 Gedanken zu “Wie gefährlich ist Schlafmangel für Pferde?

  1. Hey, danke für diese Information! Gibt es einen Weg, indem ich mehr Informationen zu diesem Thema finde, damit ich einen Beitrag in meiner lokalen Universität darüber machen könnte? Vielen Dank im Voraus!

    1. Hallo Hworld,

      da hilft wirklich nur eines: Zu diesem Thema in einschlägigen Pferdeforen recherchieren, Tiermedizinportale zu studieren und Pferdemagazine zu lesen. 🙂

      Ihnen einen guten Start in die Woche.

      Manfred vom tierarzt-onlineverzeichnis.de-Team

  2. Hallo zusammen,
    ich habe meinen 18-jährigen Wallach vor ca einem halben Jahr verkauft. Da er sich seit dem Stallwechsel an den Vorderbeinen oft verletzt hat, hat der neue Besitzer den Tierarzt gerufen. Dieser hat nun die Schlafkrankheit festgestellt. 1.Frage: Kann es sein, dass das Pferd die Krankheit erst in diesem hohen Alter entwickelt hat (oder doch eher wegen dem Offenstall im neuen Stall ein normaler Schlafmangel existiert) und 2.Frage: Besteht seitens Verkauf zwischen zwei Verbrauchern ein Anspruch des Käufers gegen mich, dass ich das Pferd zurücknehme? (2 Jahre Verjährung).
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank.

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