Dürfen Vermieter die Hundehaltung in der Wohnung verbieten?

RichterhammerMit Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern müssen sich häufig die Gerichte beschäftigen, wenn keine Einigung zwischen den Fronten mehr möglich ist. Das betrifft nicht nur Dinge wie die Nebenkostenabrechnungen, sondern auch die Haltung von Haustieren. Diese möchte so mancher Vermieter am liebsten gänzlich verbieten und formuliert das auch im Mietvertrag.

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Hundehaltung in Wohngebieten – was ist erlaubt und wo gibt es Streit?

Hunde auf weißem HintergrundDer Hund ist unbestritten des Deutschen liebster vierbeiniger Freund. Klar, denn Hunde sind folgsame Tiere und begleiten Herrchen und Frauchen überall hin. Für viele Menschen ist ihr Hund der Anker im Meer der Einsamkeit, wenn sie keine nahen Angehörigen mehr haben. Dennoch gibt es auch häufig Zank um den Hund. Um kein anderes Haustier wird so gestritten. Vor allem Mieter und Mitglieder von Wohnungseigentümergemeinschaften bekommen oft Gegenwind beim Thema Hundehaltung. Was ist erlaubt und wo scheiden sich die Geister?

Wieviel Hunde dürfen eigentlich in einer Mietwohnung gehalten werden?

Diese Frage stellen sich viele Hundefreunde, die für eine Genehmigung der Hundehaltung in der gemieteten Wohnung kämpfen. Manche Vermieter dulden die Hundehaltung ohne Einschränkung, wiederum in anderen Fällen ist die Anzahl der Hunde ein Zankapfel. So musste auch das Amtsgericht München im Jahr 2014 sich mit der Streitfrage befassen, wieviel Hund eine Wohnung verträgt. Beschwert hatten sich die Nachbarn eines Hundehalters, der im Laufe des Tages mehrfach die Hundedecken am offenen Fenster ausschüttelte. Dabei gingen neben Hundehaaren auch Reste und Splitter von Knochen teilweise auf Besucher des Hauses nieder. Daraufhin erließ der Vermieter ein Verbot der Hundehaltung in der Wohnung, insgesamt waren dort fünf kleine Hunde untergebracht. Das Amtsgericht München untersagte die Hundehaltung nicht vollständig, kam aber zu der Ansicht, dass fünf Hunde in einer Mietwohnung deutlich zu viel sind. Die Richter standen der Mieterin einen Hund zu. Auch bei einer mündlichen Genehmigung hätte die Mieterin nicht davon ausgehen können, dass der Vermieter ohne weiteres fünf Hunde duldet.

Besuch von Hunden fällt nicht unter das Tierhaltungsverbot

Mittlerweile dürfte es Vermietern schwer fallen, die Haustierhaltung in der Mietwohnung zu verbieten. Der Bundesgerichtshof hat vor ein paar Jahren entscheiden, dass beispielsweise die Haltung von Hunden nicht ohne besonderen Grund zu verbieten sei. Besteht dennoch aus triftigen Gründen ein Verbot der Hundehaltung, so darf der Mieter dennoch Besuch empfangen, der einen Hund mit sich führt. Das entschied schon im Jahr 1987 das Amtsgericht Osnabrück – hier hat sich im Laufe der Zeit in der Rechtsprechung nichts geändert. Erst, wenn der Besucherhund auffällig wird, kann der Vermieter dem Besucher das Mitführen des Hundes untersagen. Das ist der Fall, wenn das Treppenhaus verunreinigt oder andere Hausbewohner belästigt werden.

Darf ein Hund in der Wohnung dauerhaft bellen?

In den meisten Fällen ist für den Vermieter die Haltung von Hunden kein Problem, solange andere Mieter nicht dadurch beeinträchtigt werden. Dazu gehört, dass der Hundehalter seinen Hund beispielsweise im Treppenhaus immer am Halsband führt und andere Hausbewohner sich nicht bedrängt fühlen. Ist der Mieter hingegen berufsbedingt tagsüber nicht im Haus und der Hund bellt und jault durchgehend, ist ein nachträgliches Hundehaltungsverbot durchaus möglich. Dadurch wird die Ruhe der Nachbarn nachhaltig gestört. Daher entschied das Amtsgericht Potsdam, dass der betreffende Hund abgegeben werden muss. Sicherlich, ein Hund darf auch ab und zu mal bellen. Geschieht das aber so gut wie ohne Unterbrechung, weil Frauchen oder Herrchen nicht zu Hause sind, ist das Maß voll.

Dürfen Hunde auf Gemeinschaftsflächen spielen und toben?

Hunde haben das Bedürfnis, sich zu bewegen. Nicht immer können Herrchen und Frauchen mit ihm Gassi gehen. Gehört zum Gemeinschaftseigentum in eire Wohnanlage ein Garten, darf der Hund dort auch spiele, sofern es die Mehrheit der Wohnungseigentümer beschließt. Daran ist natürlich gekoppelt, dass durch den Hund keine anderen Nachbarn belästigt oder gebissen werden. Das Herumtoben stellt somit für das Landgericht Itzehoe nach einem Urteil aus dem Jahr 2014 ein Problem dar. Selbst das Bellen des Hundes müssen andere Nachbarn hinnehmen, sofern das nicht übermäßig geschieht. Natürlich müssen in diesem Fall die Hundehalter dafür sorgen, dass beispielsweise die Gemeinschaftswiese frei von tierischen Hinterlassenschaften bleibt. Eine Anleinpflicht besteht im Übrigen auch nicht, wenn es keine Belästigung durch den Hund zu beklagen gibt. Ein bloßes Schnüffeln des Hundes löst dadurch noch keinen Leinenzwang in einer Wohnanlage aus, so das Amtsgericht München im Jahr 2014.

Wann muss ein Hund in einer Wohnanlage angeleint werden?

Klar, wenn der Hund draußen unter Aufsicht spielt, ist der Leinenzwang sicherlich kontraproduktiv. Dennoch müssen Hundehalter unter Umständen einen Leinenzwang innerhalb einer Wohnanlage in Kauf nehmen. Das Ausführen des Hundes beim Verlassen der Wohnung darf nicht dazu führen, dass sich andere Nachbarn durch den freilaufenden Hund bedrängt oder sogar bedroht fühlen. In diesen Fällen ist ein Leinenzwang durchaus denkbar, wie das Amtsgericht Berlin-Wedding im Jahr 2013 entschied. Das ist vor allem der Fall, wenn sich Nachbarn und Hundehalter auf den Wegen rund um das Wohnhaus oder der Wohnanlage begegnen, wo kaum Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind. Schließlich könne es den Nachbarn nicht zugemutet werden, beim Anblick des Hundes einen Umweg zu wählen, nur um den Hund auszuweichen.

Hundehaltung im Auto? Deutliche Absage durch das Verwaltungsgericht Stuttgart

Hund mit FieberthermometerWer als Hundehalter dauerhaft seinen Hund im Auto hält, kann sich vor Gericht eine Menge Ärger einhandeln. Das Auto ist nun einmal kein Aufenthaltsort für einen Hund und widerspricht jeglichen üblichen Haltungsmethoden. Hunde brauchen Auslauf und das auch mehrmals am Tag. Allein die Begründung, den Hund mit zur Arbeitsstelle zu nehmen und zwischendurch Auslauf zu gewähren, reicht nicht aus.

Warum musste sich erst ein Gericht mit dem Fall beschäftigen?

Eine Weimarer-Hündin wurde viermal in der Woche von ihrem Herrchen mit zur Arbeit genommen. Dort musste sie im Auto täglich acht Stunden ausharren – die Fahrt zur Arbeit und nach Hause noch gar nicht mitgerechnet. Das Gesetz verlangt aber eine artgerechte Haltung, die auch einen gewissen Bewegungsspielraum bietet. Das ist nach Auffassung des Landratsamtes Ludwigsburg, das hier eine Entscheidung treffen musste, nicht gegeben. Gegen diesen Beschluss klagte der Hundehalter, bekam aber vom Verwaltungsgericht Stuttgart eine Abfuhr erteilt.

Das Auto ist kein geeigneter Aufenthaltsort für Hunde

In den meisten Fällen tritt so ein Problem auf, wenn Hundehalter den Hund z. B. bei einem Einkauf im Auto belassen. Die Unterbringung eines Hundes im Auto während der arbeitsbedingten Abwesenheit ist aber so etwas wie ein Novum. Im Auto gibt es keinen Platz, der Hund ist den Witterungsverhältnissen, auch wenn das Auto geschlossen ist, schonungslos ausgeliefert. Das ist im Sommer der Fall, wenn die Sonne auf das Fahrzeug prallt. Aber auch im Winter sinken im Fahrzeuginneren die Temperaturen so drastisch ab, dass Hunde sich dort beim besten Willen nicht mehr wohlfühlen. Man kann in einem solchen Fall getrost von Tierquälerei sprechen. Wer mit Auto und Hund in den Urlaub fährt, sollte einfach unterwegs mehrere kurze Bewegungs- und Spielpausen einlegen.

Ärger für Hundehalter kann groß werden

Wer seinen Hund im Auto belässt und in damit bewusst einer gesundheitlichen Gefährdung aussetzt, kann sich eine Menge Ärger einhandeln. Nicht selten werden Passanten auf den Vorgang aufmerksam und informieren Ordnungsamt oder Polizei. Ist der Hund in einer sichtbar schlechten Verfassung, muss auch schnell mal eine Seitenscheibe dran glauben. Neben dem Verfahren, das wegen Tierquälerei eingeleitet wird, kommen noch die Kosten für die beschädigte Seitenscheibe dazu.

Im Extremfall drohen hohe Strafen

Das Tierschutzgesetz spricht eine deutliche Sprache: Kommt ein Hund wegen der Unterbringung im Fahrzeug ums Leben, dann drohen Strafen bis zu 25.000 Euro oder sogar eine dreijährige Gefängnisstrafe. In einem Fall wurde die Haftstrafe ohne Bewährung gegen einen nicht vorbestrafen Hundehalter ausgesprochen, darüber hinaus wurde ein lebenslanges Tierhaltungsverbot ausgesprochen. Daneben drohen noch Kosten für den Einsatz von Polizei oder Ordnungsamt. Einen Hund im Auto einzusperren und seine gesundheitliche Gefährdung in Kauf zu nehmen, ist kein Kavaliersdelikt. In dem Fall der Weimarer-Hündin kam der Hundehalter noch glimpflich davon. Ihm wurde lediglich unter Androhung eines Zwangsgeldes von 400 Euro untersagt, diese fragwürdige Unterbringung noch einmal vorzunehmen.