Welche Rechte und Pflichten haben Sie als Katzenhalter?

getigerte Katzevon Manfred Weiblen

Von allen Haustieren in Deutschland sind Katzen zahlenmäßig am häufigsten vorhanden. Rund 13 Millionen der Stubentiger tummeln sich bei uns als Wohnungskatzen oder Freigängerkatzen. Sie werden sicherlich denken, dass die Katzenhaltung an sich kein Problem darstellt, schließlich sind Katzen harmlos, unauffällig und ruhig. Zum Zankapfel können sie dennoch in bestimmten Situationen werden, sogar Schadensersatzansprüche gegen Sie als Katzenhalter sind im Schadensfall möglich. Darf zum Beispiel einfach eine Katzenklappe eingebaut oder ein Katzennetz am Balkon angebracht werden? Was sagt der Vermieter zur Haltung mehrerer Katzen in der Wohnung?

Für Schäden durch die Katze haftet der Halter

Schäden, die durch Ihre Katzen verursacht werden, tragen Sie als Katzenhalter. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob Sie bei dem Vorfall dabei waren. Es zählt allein, was Ihre Katze angestellt hat. Katzen unterliegen der Gefährdungshaftung, es muss allerdings auch nachgewiesen werden, dass Ihre Katze den Schaden verursacht hat. Anders als bei Hunden benötigen Katzen keine eigene Versicherung wie Hunde, es reicht die Privathaftpflicht aus. Wenn Sie denken, dass ein Schaden sehr unwahrscheinlich ist, liegen Sie nicht richtig. Das Landgericht Bielefeld hat im Jahr 2012 eine Katzenhalterin zu 1.250 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Ihre Katze ist während eines Hotelaufenthaltes in das Nachbarzimmer eingedrungen. Bei dem Versuch, die Katze einzufangen, biss diese dem benachbarten Gast in die Hand. Die Folge eine ambulante und stationäre Behandlung. Das Schmerzensgeld war in der Höhe angemessen, so das Landgericht Bielefeld. Ist allerdings der Nachweis nicht möglich, dass Ihre Katze es zu weit getrieben hat, besteht auch kein Anspruch auf Schadensersatz.

Sind Katzen im Mietvertrag generell erlaubt?

Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2013 ein interessantes Urteil zum Thema Tierhaltung gesprochen. Danach dürfen Haustiere in Mietverträgen nicht generell ausgeschlossen werden. Allerdings gilt das nur für ein allgemein ausgesprochenes Tierhaltungsverbot. Der Vermieter darf aber an die Tierhaltung Bedingungen knüpfen. Die Haltung von Kleintieren kann generell nicht mehr verboten werden, da von Ihnen auch keine Belästigung oder Gefahr für Nachbarn ausgehen kann. Bei Katzen ist dennoch Rücksprache mit dem Vermieter zu halten. Er kann immer noch eine übermäßige Haltung von Katzen einschränken. Zwei Katzen sind ja noch im Bereich des Normalen – wer allerdings fünf, zehn oder mehr Katzen in der Mietwohnung hält, muss sich fragen lassen, ob das noch artgerecht ist.

Wie sieht es mit Katzenklappe und Katzennetz aus?

Eine Katzenklappe erleichtert der Katzen den Zugang und das Verlassen der Wohnung. Allerdings stellt der Einbau einer Katzenklappe einen Eingriff in die bauliche Substanz der Wohnung dar, die der Vermieter nicht dulden muss. Hier urteilen die Gerichte absolut unterschiedlich. Das Landgericht Berlin war im Jahr 2004 der Ansicht, dass die Katzenklappe eine erhebliche optische Beeinträchtigung sei. Ebenso wäre damit der Katze der ungehinderte Zugang ins Treppenhaus ermöglicht worden. Das Amtsgericht >Erfurt hatte da mehr Verständnis für einen katzenfreund. Hier urteilte der Richter, dass der Einbau einer Katzenklappe nur eine geringfügige Pflichtverletzung gegenüber dem Vermieter darstelle und demnach keine Kündigung rechtfertige. Allerdings kann die katzenklappe zu Problemen mit der Hausratversicherung führen. Ist diese so angebracht, dass Einbrechern der Zugang zur Wohnung erleichtert wird, dann sieht es mit der Entschädigung im Schadensfall schlecht aus. Das ist der Fall, wenn Einbrecher durch die Katzenklappe das Schlüsselbrett in der Wohnung greifen können. So sah es zumindest das Amtsgericht Dortmund im Jahr 2008.

Ein Katzennetz am Balkon sollten Sie ebenfalls mit dem Vermieter absprechen. Schließlich stellt es eine optische Beeinträchtigung des Hauses dar. Solange aber kein Eingriff in die Bausubstanz vorgenommen wird und das Netz zur Gartenseite angebracht ist, dann können Vermieter kaum die Entfernung des Netzes fordern. Wenn Sie hingegen überall Haken und Dübel in den Wänden anbringen, dann kann der Vermieter durchaus die Entfernung des Netzes fordern.

Kot durch Freigängerkatzen – wie viel Toleranz müssen Ihre Nachbarn aufbringen?

Mal losgelöst von der Mietwohnung und ein Blick auf Hauseigentümer oder Mieter von Wohnhäusern: Hier ist in der Regel ein Garten vorhanden, in dem sich die Katzen herumtrollt. Dabei kennen Katzen keine Grenzen und sind ab und an auch auf des Nachbars Grundstück unterwegs. Dabei ist von den Nachbarn viel Toleranz gefragt. Es kann Ihnen nicht zugemutet werden, das Streunen der Katze in der Nachbarschaft zu unterbinden. Es liegt schließlich in der Natur der Katze, sich frei zu bewegen. Selbst Kotablagerungen im Garten muss Ihr Nachbar hinnehmen – auch von mehreren Katzen. Ist Ihnen aber nachzuweisen, dass Sie Katzen über das normale Maß hinaus halten, dann kann Ihr Nachbar dagegen allerdings vorgehen.

Rechtsfragen zum Thema Katzenhaltung: Was dürfen Katzenfreunde machen und was nicht?

Drei Katzen vor weißem HintergrundRund zwölf Millionen Katzen leben in den deutschen Haushalten. Sie gelten als pflegeleicht, sind anschmiegsame Sofalöwen und eine wunderbare Gesellschaft vor allem für Menschen, die alleine leben. Katzen sind reinliche Tiere und werden in vielen Fällen als reine Wohnungskatzen gehalten. Katzen haben viele Bedürfnisse, denen Katzenfreunde gerecht werden möchten. Wo ist aber die Grenze, wo sich beispielsweise Nachbarn oder sogar Vermieter einschalten dürfen?

Kann die Katzenhaltung durch den Vermieter eingeschränkt werden?

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes können Vermieter Ihnen die Haltung Ihrer Katze nicht ohne weiteres verbieten. Hier muss Ihr Vermieter generell den Einzelfall prüfen, Zwei oder drei Katzen in einer Mietwohnung können schon grenzwertig sein. Geht der Hang schon hin zum Animal-Hording, kann der Vermieter zu Recht die Katzenhaltung untersagen. Im Übrigen muss Ihr Vermieter auch auf die Nachbarn Rücksicht nehmen. Wenn Ihr Mieter von gegenüber an einer Katzenhaarallergie leidet, müssen Sie alles unternehmen, damit Ihr Nachbar nicht durch Ihre Katze beeinträchtigt wird.

Dürfen Sie als Mieter ein Katzennetz am Balkon anbringen oder eine Katzenklappe installieren?

Damit die Katze nicht vom Balkon springen kann, bringen viele Katzenfreunde ein Netz am Balkon an. Das kann unter Umständen zum Streit mit dem Vermieter führen. Er muss in keinem Fall hinnehmen, dass durch das Anbohren von Haltepunkten die Bausubstanz beschädigt wird oder das Netz das Haus nach außen optisch beeinträchtigt wird. Ebenso wenig muss der Vermieter es dulden, wenn in die Balkontür selbstständig eine Katzenklappe eingebaut wird. Denn Schaden, der dadurch entsteht, bleibt beim Mieter hängen.

Wer haftet, wenn die Katze einen Schaden verursacht?

Soviel vorweg: Katzen benötigen keine separate Haftpflichtversicherung wie Hunde oder Pferde. Dennoch stehen Sie als Katzenfreund in der Haftung, wenn es Ihr kleiner Tiger irgendwo in der Nachbarschaft zu dolle getrieben hat und Ihrer Katze der Schaden nachgewiesen werden kann. Das reicht vom Katzenbiss bis hin zu Einschleichen Ihrer Katze in eine fremde Wohnung. Gelangt Ihr Stubentiger über ein geöffnetes Fenster in die Wohnung Ihres Nachbarn und richtet dort Chaos an, so müssen Sie für den Schaden geradestehen. Passieren kann so etwas immer mal bei einer Freigängerkatzen, daher können wir Ihnen die Privathaftpflicht wirklich empfehlen. Stellen Sie mal folgende Situation vor: Ihre Katze hat sich in die Nachbarwohnung verirrt. Der Nachbar entdeckt Ihre Katze, sie erschrickt sich und bringt den Flachbildfernseher zu Fall, als sie vom Regal springen möchte.

Dürfen Sie Ihren Liebling im Garten bestatten?

Irgendwann neigen sich die sieben Leben der Katze dem Ende entgegen. Wenn Sie Ihre Katze lieben, werden Sie Ihren kleinen Freund kaum an die Tierkörperverwertung abgegeben. Der Abschied soll schon bisschen würdevoller verlaufen. Kein Problem, sagen die Behörden. Die Katzen muss in mindestens einem halben Meter Tiefe beigesetzt werden. Dazu muss sie in einem Material eingehüllt werden, das leicht abbaubar ist. Zu öffentlichen Wegen muss ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden. Befindet sich Ihr Garten hingegen in einem Wasserschutzgebiet, so dürfen Sie Ihre Katze in keinem Fall dort beisetzen. Dann ist es besser, wenn Sie Ihren Liebling auf einem Tierfriedhof beisetzen lassen.

Privathaftpflicht und die Haltung von Katzen – ein Urteil vom Oberlandesgericht Saarbrücken

Drei Katzen vor weißem HintergrundSchwere Zeiten für Katzenfreunde? Das Oberlandesgericht Saarbrücken hat geurteilt, dass die Privathaftpflicht nicht für Mietsachschäden aufkommen muss, die durch die übermäßige Haltung von Katzen verursacht werden. Dazu gehören neben zerkratzten Türrahmen auch verunreinigte Bodenbeläge. Selbst wenn in der Privathaftpflicht ausdrücklich Mietsachschäden und die Haltung von zahmen Haustieren versichert sind, kommt eine Schadenersatzleistung nicht in jedem Fall in Betracht. Das musste eine Katzenliebhaberin nun feststellen, die auf den Kosten für Renovierung ihrer Wohnung sitzenblieb.

Warum leistet die Privathaftpflicht in einem solchen Fall nicht?

Die betroffene Mieterin bewohnte zusammen mit drei Katzen eine kleine Dachgeschosswohnung. Sie war berufstätig und die Katzen sich tagsüber selbst überlassen. Das führte dazu, dass die Katzen ihr Geschäft nicht immer auf dem Katzenklo verrichteten, sondern überall in der Wohnung. Die Folge: Der Urin drang durch das Parkett in die Bodendämmung und sogar in die Betondecke ein. Beim Auszug der Mieterin stellte sich das ganze Maß der Verunreinigung dar. Der Vermieter musste das Parkett austauschen und die Betondecke abfräsen. Diese Kosten wollte er von der Mieterin erstattet bekommen. Deren Privathaftpflicht lehnte die Übernahme des Schadens ab. Begründung: Übermäßige Katzenhaltung geht über das Maß des normalen Gebrauchs der Mietsache hinaus. Man könnte da schon von Vorsatz sprechen. Daher lehnte das Oberlandesgericht die Ansprüche der Mieterin gegen ihre Privathaftpflicht ab.

Das Problem der Haustierhaltung

Haustiere sind schön und gut, aber bei übermäßiger Bevölkerung einer kleinen Wohnung kann man nach Ansicht der Richter von einer normalen Haustierhaltung schon nicht mehr sprechen. Zusätzlich erschwerend ist, dass die Mieterin ihre Katzen tagtäglich allein gelassen hat mit dem Wissen, dass die Verunreinigungen in der Wohnungen immer größere Ausmaße annahmen. Das hätte sie verhindern müssen, sie hat die Schäden billigend in Kauf genommen. Daher lehnte ihre Privathaftpflicht die Übernahme des Schadens ab.

Mietsachschäden in der Privathaftpflicht

Es ist eine wichtige Leistung in der Privathaftpflicht: die Übernahme von Mietsachschäden. In einer Mietwohnung kann es immer mal zu Schäden kommen, die sich aus Unachtsamkeit ereignen. Genauso kann durch ein Haustier bei bester Aufsicht ein Schaden verursacht werden. Das ist eben der Fall, wenn ein Türrahmen zerkratzt wird, egal, ob durch Katze oder Kaninchen. Dafür leistet die Privathaftpflicht in jedem Fall. Solche gravierenden Substanzschäden lassen sich mit der normalen Haustierhaltung nicht mehr vereinbaren. Ein Wink also in die Richtung der Haustierfreunde, die ihre Wohnung mit allerlei Vierbeinern oder Vögeln bevölkern.