Hundehalter konnte Operation nicht bezahlen – Streit mit dem Tierarzt

Hund mit Tierarztvon Manfred Weiblen

Ein Streitfall um eine Tierarztbehandlung, die vor Gericht endet? In Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet könnte das jedenfalls der Fall werden. Hintergrund ist der Streit um eine nicht bezahlte Tierarztrechnung. Ein Hartz-IV-Empfänger musste für die Operation seines Hundes eine Summe von 1.189 Euro bezahlen. Das konnte er nicht und unterstellte dem Tierarzt, er habe ihm nichts von der Operation gesagt. Darüber hinaus habe der Tierarzt den Hund einbehalten und gedroht, ihn einzuschläfern. Dagegen wehrt sich der Tierarzt. Ihm hätte der Hundehalter seinerseits die finanzielle Situation verschwiegen. Dennoch: Die Kosten wurden durch wohltätige Organisationen getragen, der Hund befindet sich nach fünf Wochen wieder bei seinem Herrchen.

Darf der Tierarzt einfach den Hund einbehalten?

Tierärzte beklagen immer häufiger, dass sie auf Rechnungen sitzenbleiben, weil ihnen Tierfreunde ihre wirtschaftliche Situation verschweigen. Einer notwendigen Operation wird in manchen Fällen zugestimmt, auch wenn kein Geld dafür da ist. In diesen Fällen wird der Tierarzt nach erfolgter Operation bei der Rechnungstellung mit der Situation konfrontiert. Was ist also zu tun? Der Tierarzt darf das behandelte Haustier einbehalten, bis Herrchen oder Frauchen die Rechnung bezahlt haben. Das steht nicht im Gegensatz zum geltenden Recht. Schließlich wird das Tier beim Tierarzt weiterhin versorgt. Wer sein Auto reparieren lässt, bekommt es von der Werkstatt ja auch erst dann zurück, wenn die Rechnung bezahlt ist.

Ein Urteil des Landgerichtes Mainz zum Einbehalt von Haustieren

Ein Tierbesitzer musste sein Haustier wegen einer lebensbedrohlichen Milzruptur in die Tierklinik einliefern. Daraufhin wurde eine Erklärung unterzeichnet, dass das Tierarzthonorar im Anschluss an die Operation bezahlt werden sollte. Doch der Tierhalter konnte nur einen Teil der Tierarztkosten bezahlen. Die Tierklinik behielt das Haustier ein. Zu Recht, wie die Richter am Landgericht Mainz schon im Jahr 2002 befanden. Der Einbehalt steht nicht im Widerspruch zum Tierschutzgesetz und auch nicht zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Wer eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, und sei es eben nur die Tierarztbehandlung, haftet auch für die Bezahlung. Ebenso könnte zum Beispiel der Küchenbauer seinen Eigentumsvorbehalt wahrnehmen und eine nicht bezahlte Küche aus dem Haus des Schuldners wieder ausbauen lassen.

Vor einer Tierarztbehandlung müssen klare Verhältnisse geschaffen werden

Natürlich passiert es, dass ein Haustier operiert werden muss und Herrchen oder Frauchen kein Geld zur Verfügung haben. Das Tier einschläfern lassen? Das würde kaum ein Tierarzt mitmachen. Daher räumen viele Tierärzte eine Ratenzahlung an, wenn die Rechnung in einer Summe nicht zu bezahlen ist. Dafür muss aber vor der Behandlung eine klare Regelung getroffen werden. Wer den Tierarzt über seine wirtschaftlichen Verhältnisse im Unklaren lässt, begeht Eingehungsbetrug. Das ist der Fall, wenn einer Operation zugestimmt wird mit dem Wissen, dass diese überhaupt nicht bezahlt werden kann. Strafbar ist ein solches Verhalten allemal und der Tierarzt hat in diesem Fall auch konkret das Recht, das behandelte Haustier einzubehalten. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Tier weiterhin im ausreichenden Umfang versorgt wird. Ausnahmen gibt es dabei nur selten. Wenn es sich um ein Tier handelt, das besonders auf seinen Halter fixiert ist oder es sich beispielsweise um einen Blindenhund handelt.

Sparbuch oder Tierkrankenversicherung – welche Alternative ist sinnvoll?

Wer ein Haustier hat, muss damit rechnen, dass es zu unerwarteten Ausgaben kommt. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn eine kostenintensive Tierarztbehandlung notwendig wird. Natürlich sind diese Kosten nicht planbar. Da wird eine Tierarztrechnung, die im vierstelligen Bereich liegt, schon zu einem finanziellen Desaster. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten. Entweder bei der Anschaffung von Hund, Katze oder anderen Haustieren ein Sparkonto anlegen, um regelmäßig Geld zur Seite zu legen oder eine Tierkrankenversicherung abzuschließen. Vorteil des Sparkontos: Tritt der Ernstfall nicht ein, dann bleibt das Geld weiterhin vorhanden und muss nicht verbraucht werden. Vorteil der Tierkrankenversicherung: Kommt es hier schon kurz nach der Anschaffung des Haustieres zu einer kostenintensiven Behandlung, so leistet die Krankenversicherung, auch wenn zum Beispiel erst seit ein paar Monaten darin eingezahlt wurde. Ein weiterer Vorteil der Tierkrankenversicherung ist, dass im Alter bei länger anhaltenden oder chronischen Krankheiten dauerhaft die tierärztliche Versorgung finanziell sichergestellt wird.

Wenn die Tierarztrechnung nicht bezahlt werden kann

JustiziaWer ein Haustier besitzt, ist für die Pflege und Versorgung des Tieres verantwortlich. Dafür gibt es in Deutschland ein Tierschutzgesetz. Strafbar ist es zum Beispiel, Tiere zu quälen, aber auch zu vernachlässigen. Dazu gehört aber auch, dass bei Erkrankungen der Tierarzt aufgesucht wird, um das Leiden eines Haustieres zu behandeln. Natürlich ist die tierärztliche Behandlung ein Kostenfaktor, der in der Haltung von Haustieren berücksichtigt werden muss. Impfen, Wurmkuren oder Vorsorgeuntersuchungen sind hier nicht die teuersten Aspekte. Wenn das Haustier hingegen einen Unfall erleidet oder schwer erkrankt, sind langwierige Behandlungen oder sogar eine Operation notwendig.

Tierarzthonorar muss sofort bezahlt werden

Der Tierarzt rechnet mit dem Tierbesitzer unmittelbar ab. Das ist auch nicht anders wie bei Privatpatienten in der Humanmedizin. Allerdings gibt es für Privatpatienten die private Krankenversicherung, die die Arztrechnung bezahlt. In der Regel muss also bei Beginn der Behandlung geklärt werden, wie die Tierarztrechnung bezahlt wird. Wer hingegen einer Operation zustimmt und anschließend die vereinbarte Zahlung nicht tätigen kann, muss damit rechnen, dass der Tierarzt das Haustier einbehält, bis die Rechnung bezahlt ist. Das steht auch nicht im Widerspruch zum geltenden Recht.

Urteil des Landesgerichtes Mainz ist wegweisend

Ein Tierbesitzer musste sein Haustier wegen einer lebensbedrohlichen Milzruptur in die Tierklinik einliefern. Daraufhin wurde eine Erklärung unterzeichnet, dass das Tierarzthonorar im Anschluss an die Operation bezahlt werden sollte. Doch der Tierhalter konnte nur einen Teil der Tierarztkosten bezahlen. Die Tierklinik behielt das Haustier ein. Zu Recht, wie die Richter am Landgericht Mainz schon im Jahr 2002 befanden. Der Einbehalt steht nicht im Widerspruch zum Tierschutzgesetz und auch nicht zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Übrigens, der Einbehalt ist auch in anderen Bereichen üblich: Wer beispielsweise eine Autoreparatur in Auftrag gibt und diese nicht bezahlen kann, muss sich nicht wundern, wenn die Kfz-Werkstatt die Herausgabe verweigert.

Ausnahmen gibt es nur selten

Das in einem solchen Fall die Tierbesitzer vor Gericht Recht bekommen, ist eher selten. Zwar hat das Amtsgericht Alzey im Jahr vor dem Mainzer Urteil Recht für den Tierbesitzer gesprochen, doch die Praxis verhält sich mittlerweile anders. Da der Tierarzt in der Regel sicherstellen kann, dass das einbehaltene Haustier nach dem Tierschutzgesetz entsprechend behandelt und versorgt werden kann, steht dem Einbehalt rechtlich nichts entgegen. Lediglich, wenn ein Haustier sehr auf den Menschen fixiert ist, muss die Herausgabe trotz der noch nicht beglichenen Rechnung erfolgen. Das gilt auch dann, wenn der Tierbesitzer in besonderen Umfang auf das Tier angewiesen ist, wie etwa ein Blindenhund.

Vor der Tierarztbehandlung Probleme klären

Es kann immer mal der Fall eintreten, dass ein Haustier tierärztliche Hilfe benötigt und das Budget knapp ist. Tierärzte wissen um diese Problematik und ermöglichen den Tierfreunden, eine Rechnung auch in Raten zu bezahlen. Das muss aber vor der Behandlung geklärt werden. Gerade bei einer Operation, die vierstelligen Bereich liegt, hilft kein falscher Scharm. Die Karten müssen auf den Tisch, der Tierarzt wird sich auf eine Ratenzahlung einlassen. Rechtlich betrachtet ist das Nichtbezahlen der Tierarztrechnung sogar ein großes Problem. Wer den Tierarzt eine teure Behandlung oder Operation durchführen lässt in dem Wissen, dass die Tierarztrechnung nicht bezahlt werden kann, muss sich im Extremfall den Versuch des Betruges anhängen lassen. Hier wird es, wenn es hart auf hart kommt, zu einem strafrechtlichen Problem.

Vorsorge für das Haustier ist zwingend notwendig

Gerade bei größeren Haustieren wie beispielsweise Hunden oder Katzen können vor allem Operationen mit hohen Kosten zu Buche schlagen. Ohne einen Spargroschen ist es schwer die Operation bei einer Magendrehung des Hundes oder bei einer Diabeteserkrankung der Katze zu bezahlen. Tierfreunde müssen also Geld regelmäßig zur Seite legen, damit im Ernstfall der Tierarzt bezahlt werden kann.

Tierkrankenversicherung auf dem Vormarsch

Mittlerweile haben sich in Deutschland einige Versicherer auf den Bereich der Tierkrankenversicherung spezialisiert. Bei einer Tierkrankenversicherung wird die Tierarztrechnung von der Versicherung bezahlt. Hier gibt es verschiedene Modelle, die für Hunde, Katzen und Pferde angeboten werden. Informationen zu diesem Thema finden Sie beispielsweise im Internet unter: http://www.vergleichen-und-sparen.de

Zu den Anbietern der Tierkrankenversicherung gehören die AGILA, die Allianz, die Helvetia, Petplan und die Uelzener. Die Tarifgestaltung fällt sehr unterschiedlich aus, ein Vergleich ist notwendig, damit Sie als Tierhalter den richtigen Versicherungsschutz für Ihr Haustier auswählen können. Die Tierkrankenversicherung unterscheidet im Wesentlichen zwei Modelle: Einmal die Krankenvollversicherung und auf der anderen Seite die reine Operationsversicherung.

Bei der Krankenvollversicherung genießt Ihr Haustier quasi den Status eines Privatpatienten. Die Behandlungen des Tierarztes werden übernommen. Die Palette der Leistungen reicht von der Behandlung bei einem verdorbenen Magen bis hin zu operativen Eingriffen. In der Operationsversicherung hingegen werden lediglich Operationen versichert, dafür sind die Monatsbeiträge hier aber auch geringer. Damit sind dann aber zumindest die kostenintensiven tierärztlichen Behandlungen abgesichert.

Der Ärger beim Tierarzt um nicht bezahlte Rechnungen

Rötngenbild beim TierarztAm vergangenen Samstag berichtete die Presse über einen Tierarzt aus Einbeck (Niedersachsen), der die Reißleine beim Thema unbezahlte Rechnungen gezogen und gegen zwei Tierhalterinnen Anzeige wegen Betruges erstattet hat. Auch nach mehreren Aufforderungen wurden Rechnungen über eine Gesamtsumme von rund 180 Euro nicht bezahlt. Immer mehr Tierärzte sehen sich mit dem Problem konfrontiert, dass Tierhalter ihre Rechnungen nicht bezahlen können, wenn das Haustier medizinisch versorgt wurde. Allerdings machen nur die wenigsten Tierärzte von diesem Instrument der Strafanzeige Gebrauch. Es muss ja erst einmal geklärt werden, ob die Tierfreunde von vorneherein die Absicht hatten, die Tierarztrechnung nicht zu bezahlen.

Was tun, wenn das Geld nicht reicht?

Es ist an der Tagesordnung, dass der geliebte Hund, die Katze oder der Wellensittich erkranken und das Geld nicht reicht, um den Tierarzt zu bezahlen. Eine Variante ist, dass das Haustier im Tierheim abgegeben wird. Für beide Seiten, sowohl für den Eigentümer als auch für das Tier sicherlich keine glückliche Lösung. Die andere Möglichkeit ist, den Tierarzt auf das Problem anzusprechen. Wenn die Problematik bekannt ist, lässt sich so mancher Tierarzt auch auf eine Ratenzahlung ein. Die Behandlung wird deswegen wohl kaum verweigert. Schließlich hat jeder Tierarzt genug Idealismus, um jedes erkrankte Haustier zu behandeln. Vor allem für alleinstehende Personen, bei denen das Geld vorne und hinten nicht reicht, ist da eine gemeinsame Absprache möglich. Die Zahlungsunfähigkeit zu verschweigen und es auf Mahnungen ankommen zu lassen, ist hingegen Betrug.

Kann eine Tierversicherung weiterhelfen?

Für Pferde, Hunde und Katzen wird mittlerweile von verschiedenen Versicherungen Kostenschutz für die Heilbehandlung beim Tierarzt angeboten. Ähnlich wie bei der privaten Krankenzusatzversicherung oder Krankenvollversicherung für den Menschen, ist damit die Kostenübernahme für die medizinische Versorgung beim Tierarzt abgesichert. So lassen sich die Kosten im Rahmen halten und es kommt nicht zu Unstimmigkeiten, wenn die Tierarztrechnung auf den Tisch flattert.

Ansparen als Alternative?

Sicherlich ist es möglich, auch monatlich ein bisschen Geld zur Seite zu legen, um damit den Tierarzt bezahlen zu können. Das Risiko ist dabei aber immer gegeben, dass bei einer Notfallsituation oder bei einer notwendigen Operation schon nach kurzer Zeit nicht genug Geld zur Verfügung steht. Außerdem kann es bei finanziellen Engpässen ohne Weiteres passieren, dass das angesparte Geld aufgebraucht werden muss. Mit der Tierversicherung hingegen besteht bei regelmäßiger Zahlung generell der Anspruch auf die Übernahme der Kosten. Für eine Operation können schnell mal eben mehrere Tausend Euro anfallen, die sind auch trotz Spardisziplin nicht immer sofort in voller Höhe verfügbar.