Wenn Haustiere mit ins Grab dürfen

Urne für HaustiereVon Manfred Weiblen

Für viele Menschen sind Haustiere wie ein Familienmitglied. Besonders ältere Menschen möchten nicht auf die Nähe von Hunden, Katzen oder Vögel verzichten. Sie bringen Lebensfreude in den oft tristen Alltag und sorgen somit für ein bisschen Abwechslung. Selbst wenn die Rente nicht immer zum Leben reicht, das Haustier bleibt an der Seite von Herrchen und Frauchen. Der Tod eines Haustieres ist für diese Menschen eine schwierige Zeit, vor allem für allein stehende Menschen. Da wird das Geld zusammengekratzt, um den Hund, der Katze oder dem Hasen einzuäschern und in einer Urne aufzubewahren. Die Liebe zu Haustieren geht so weit, dass viele Menschen mittlerweile ihren Liebling nach dem eigenen Ableben mit ins Grab nehmen.

Bistum Aachen stimmt Tierbestattung zu

Vor kurzem ist ein Rentner in Grefrath (Nordrhein-Westfalen) verstorben. Sein Dackel Muck ist bereits vor ihm gegangen und wurde von seinem Herrchen eingeäschert und in einer Urne aufbewahrt. Nun hat das Bistum Aachen einer gemeinsamen Bestattung zugestimmt. Eine entsprechende Änderung wurde in der Satzung des katholischen Friedhofes im Ortsteil Mühlhausen zugestimmt. Die Beisetzung findet allerdings nicht zeitgleich statt, die Urne des Dackels wird zeitversetzt dem Grab beigegeben. Nach den Bestimmungen des Landes Nordrhein-Westfalen dürfen Haustiere nur eingeäschert im Grab beigesetzt werden. Darüber hinaus hat sich auch das Bistum Köln geäußert, man werde sich mit der Grabbeigabe von Haustieren befassen. Schön für den Rentner – er hatte bei seinem Ableben die Gewissheit, dass sein treuer Vierbeiner mit ihm wieder vereint wird.

In Nordrhein-Westfalen wurde Friedhöfe für Mensch und Tier im Juni 2015 genehmigt

Die rot-grüne Landesregierung hat im Juni 2015 der gemeinsamen Beisetzung von Menschen und ihren Haustieren zugestimmt. Nach eingehender Prüfung des Bestattungsgesetzes wurde grünes Licht gegeben. Der erste Mensch-Tier-Friedhof entstand in Essen. Auf einem abgegrenzten Teil des Friedhofes in Frintrop wurde ein Grabfeld geschaffen. In den sogenannten Freundschaftsgräber können die Urnen beigesetzt werden. Insgesamt sechs Urnen, davon maximal zwei für Menschen, finden in den Freundschaftsgräbern Platz. Auch hier gilt aber: Eine gemeinsame Trauerfeier wird es nicht geben. Das Haustier wird als Grabbeigabe später beigesetzt. Ebenso muss zuvor die getrennte Einäscherung erfolgt sein. Durch die Gesetzesänderung können in Nordrhein-Westfalen auch andere Friedhofsträger die Beisetzung von Haustieren und Herrchen und Frauchen ermöglichen.

Zuspruch in der Bevölkerung für die gemeinsame Bestattung

Es schadet niemanden, wenn das Haustier mit Herrchen oder Frauchen ins Grab geht. Schließlich werden die Haustiere dafür ja nicht extra getötet. Wir leben in einem Land mit Religionsfreiheit und Tiere sind ja schließlich auch von Gott erschaffen worden. So äußern sich viele Menschen zu diesem Thema. Bei einer Umfrage einer Hamburger Zeitung kam es bei rund 1.000 Stimmen zu einem deutlichen Zuspruch. Immer rund 87 Prozent aller Umfrageteilnehmer hielten die gemeinsame Bestattung für eine gute Idee. Warum sollen Haustiere, die ihrem Herrchen und Frauchen im Alltag stets eine große Bereicherung waren, im Tod von ihnen getrennt werden.

Dritter Mensch-Tier-Friedhof soll in Forst (Brandenburg) entstehen

Bislang gibt es in Deutschland zwei Mensch-Tier-Friedhöfe, in Essen und in Braubach bei Koblenz. In Forst in der Lausitz soll nun ein dritter Friedhof hinzukommen. Der Hauptfriedhof dort hat eine Fläche von 15 Hektar. Die Lücken wurden durch den sich ändernden Bestattungsgeist immer größer. Ein Umdenken war erforderlich. Ein Teil der freien Fläche soll nun für die gemeinsame Bestattung von Menschen und Tieren genutzt werden. Hier wird das Haustier ebenfalls eingeäschert in einer Urne dem Grab von Herrchen und Frauchen beigesetzt.

Die Bestattung von Haustieren ist archäologisch belegt

Bereits vor 12.000 Jahren wurde Haustieren gemeinsam mit dem Menschen beigesetzt. Entsprechende Funde wurden von Archäologen auf dem heutigen Gebiet Israels gemacht. Bereits vor 10.000 Jahren schon wurden auf Zypern Katzen als Haustiere gehalten, auch hier erfolgte eine gemeinsame Bestattung. In Ägypten wollten viele Menschen auch nach dem Tod nicht auf ihre Haustiere verzichten. Diese wurde mumifiziert und mit ins Grab gegeben. Selbst noch im Mittelalter war die Bestattung von Pferden und Jagdhunden zusammen mit ihrem Herrchen nicht ungewöhnlich. Was spricht also dagegen, dass Tiere nach ihrem Ableben gemeinsam mit Herrchen und Frauchen die letzte Ruhe antreten? Eigentlich überhaupt nichts – selbst die Kirchenverbände erheben hier keinen Einspruch. Warum auch – es sind ja schließlich Gottes Geschöpfe.

Die Anzahl der Tierbestattungen steigt – was müssen Sie bei Ihrem Liebling beachten?

Hund auf einer BlumenwieseWenn das geliebte Haustier über die Regenbogenbrücke geht, ist bei den meisten Tierfreunden die Trauer groß. Für viele Menschen ist ihr Haustier so etwas wie ein Familienmitglied, für alleinstehende Senioren beispielsweise sogar ein wertvoller Partner im Kampf gegen die Einsamkeit. Kein Wunder, wenn viele Menschen ihren Liebling nicht mehr in die Tierverwertung geben, sondern würdevoll bestatten lassen.

Immer mehr Bestattungen von Haustieren

Der Bundesverband der Tierbestatter schätzt, dass jährlich bis zu 100.000 Haustiere eingeäschert werden. Während rund zehn Prozent von ihnen auf Tierfriedhöfen beigesetzt wird, nehmen die meisten Herrchen und Frauchen ihren Liebling mit nach Hause, um die Asche im Garten beizusetzen. Ohne Einäscherung dürfen Haustiere aber nur unter bestimmten Auflagen im eigenen Garten beigesetzt werden. Es müssen Kleintiere wie Hunde, Katzen oder Vögel sein. Pferde oder Schafe können nicht im Garten beigesetzt werden. Darüber hinaus muss bei der Gemeinde eine Genehmigung gestellt werden, die Haustiere dürfen nicht an einer meldepflichtigen Krankheit gestorben sein.

Akzeptanz der Beziehung zwischen Mensch und Tier

Da das Zusammenleben von Mensch und Tier immer mehr an Bedeutung gewinnt, steigt auch die Akzeptanz für die tierischen Bestattungen. Um die Trauer zu verarbeiten, etwa wenn ein Kind sein Lieblingstier verliert, ist eine Bestattung zur Trauerbewältigung gar nicht mal so verkehrt. Sie nehmen in vielen Familien den Stellenwert eines Menschen ein. Die Tierbestatter berichten einhellig, dass im Trauerfall bei Herrchen und Frauchen viel Fingerspitzengefühl gefragt ist. So berichtet ein Bestatter, dass er mal eine Grabrede halten musste, die acht Seiten umfasste. Die Möglichkeiten der Bestattung sind vielfältig. Ähnlich wie auch beim Menschen können Haustiere auch auf See bestattet werden. Eine bunt bemalte Urne ist ebenso möglich wie die Pressung der Asche zu einem Diamanten. Nichts ist undenkbar, um das geliebte Haustier immer in Erinnerung zu behalten.

Die Tierbestattung ist keine Massenabfertigung

In manchen Tierkrematorien können Haustiere auf Wunsch einzeln eingeäschert werden. Was bleiben soll, ist der letzte Eindruck vom geliebten Haustier. Für viele Tierfreunde ist es keine schöne Vorstellung, den Liebling beim Tierarzt zurückzulassen: Mit dem schlechten Gewissen, dass das Haustier ohne viel Aufhebens an den Tierverwerter weitergegeben wird. Eine große Zahl von Tierfreunden hat einfach das Bedürfnis, in aller Ruhe Abschied zu nehmen. Das ist auch nicht anders, als wenn ein Mensch stirbt. Das Ritual der Bestattung hilft, die Trauer zu überwinden. Mit einem Tierfriedhof in der Nähe oder der Urne im Garten ist immer ein Plätzchen zu Erinnern da.