Überhitzung bei Pferden

Im Sommer sind Trockenheit und Temperaturen von mehr als 30 Grad keine Seltenheit und für Pferde nicht immer angenehm. Die Überhitzung bei Pferden kann Lebensgefahr bedeuten. Daher ist es an heißen Tagen wichtig, dass Ihr großer Vierbeiner ein schattiges Plätzchen hat und auch ausreichend Wasser zum Trinken.

Pferde können die Hitze weitaus weniger gut vertragen als wir Menschen. Was passiert eigentlich, wenn das Pferd schwitzt oder überhitzt, und wie können Sie für Abkühlung sorgen, ohne dem Pferd damit zu schaden? Wir haben mal einige Tipps zusammengestellt.

Symptome für eine Überhitzung bei Pferden

Bei der Überhitzung der Pferde kann es im weiteren Verlauf zu einem Hitzschlag kommen. Bei einem Hitzschlag wird die Blutzirkulation im Körper lahmgelegt. Dadurch brechen irgendwann die Sauerstoffversorgung und der Stoffwechsel zusammen. Die Überhitzung bei Pferden kann also zu einem lebensgefährlichen Zustand führen. Deshalb sollten Sie auf diese Anzeichen der Überhitzung achten, damit es nicht zu einem Hitzschlag kommt:

  • Bei Ihrem Pferd ist ein Leistungsabfall wahrnehmbar.
  • Ihr Pferd erholt sich nach der vorangegangenen Belastung nur sehr langsam.
  • Koliksymptome treten auf, Ihr Pferd leidet an Krämpfen.
  • Es kommt bei der Überhitzung zu Verdauungsproblemen.
  • Der Puls Ihres Pferdes ist schwach und gleichzeitig schnell.
  • Die Atmung wird ebenfalls schneller.
  • Die Schleimhäute am Zahnfleisch verfärben sich bläulich oder dunkel.
  • Beim Hautfaltentest glättet sich die Haut erst nach drei bis vier Sekunden.

Überhitzung bei Pferden erfolgt zehnmal so schnell wie beim Menschen

Bedingt durch ihre Größe haben Pferde auch mehr Muskeln. Wenn die Muskeln in Arbeit versetzt werden, produzieren sie Wärme. Das bedeutet: 15 bis 20 Minuten extreme Belastung bei feuchter und heißer Witterung reichen aus, um die Körpertemperatur in einen gefährlichen Bereich zu treiben. Das geschieht bei Pferden bis zu zehnmal schneller als beim Menschen. Steigt die Temperatur des Pferdes von normalen 37 bis 38 Grad auf 41 Grad an, dann liegt die Temperatur der Muskeln schon bei mehr als 43 Grad. Das sind Temperaturen, die die Muskel-Proteine schon bald zum Kochen bringen.

Temperaturcheck im Überblick – wann wird es gefährlich?

Bei Pferden gibt es verschiedene Richtwerte, die Sie kennen sollen, um die drohende Gefahr für eine Überhitzung zu vermeiden:

Unterkühlung32 – 37 Grad
Normaltemperatur37 – 38 Grad
Leichtes Fieber38 – 39 Grad
Fieber39 – 40 Grad
Normaltemperatur bei Belastung39 – 40 Grad
Hohes Fieber40 – 42 Grad

Welche Mengen Schweiß produzieren Pferde?

Wenn wir uns an heißen Tagen viel bewegen, dann läuft uns, salopp gesagt, die Suppe den Rücken hinab. Pferde, die zum Beispiel einen drei- oder vierstündigen Distanzritt hinter sich bringen, verlieren dabei sogar rund 30 bis 40 Liter Schweiß. Das kann je nach Gewicht des Pferdes bedrohlich werden: Wenn Pferde dadurch mehr als zehn Prozent ihres Körpergewichtes verlieren, wird es aus gesundheitlicher Sicht kritisch.

Wie können Sie Ihrem Pferd die nötige Abkühlung verschaffen?

Zunächst einmal verzichten Sie auf übermäßige Beanspruchung Ihres Pferdes. Sicherlich, der große Freund benötigt Bewegung, aber größere Ausritte sollten nicht in der prallen Sonne oder der Mittagshitze durchgeführt werden. In den Abendstunden sind die Temperaturen hierbei deutlich erträglicher. Damit Ihr Pferd eine angenehme Kühlung bekommt, können Sie es mehrfach mit dem Schlauch abspritzen. Dabei sollte das Wasser aber nicht zu kalt sein. Damit sich nicht zu viel Wasser im Fell des Pferdes sammelt, ziehen Sie die Feuchtigkeit immer wieder mit dem Schweißmesser ab. Bleibt das Wasser im Fell, erhitzt es sich wieder und macht den Kühleffekt zunichte. Übrigens: Bei warmen Temperaturen ist es gut, wenn Ihr Pferd größere Mengen Gras frisst. Da Gras zu 90 Prozent aus Wasser besteht, verschafft sich Ihr Pferd zusätzliche Kühlung von innen.

Erstmaßnahmen bei der Überhitzung

Wie bei allen anderen Erstmaßnahmen ist es wichtig, dass Sie zunächst Ihren Tierarzt anrufen. Er kann bei Bedarf dann weitere Maßnahmen am Stall vornehmen. Sie müssen bis zum Eintreffen die folgenden Maßnahmen ergreifen:

  • Zuerst muss Ihr Pferd raus aus der Sonne. Bringen Sie es in den Stall, zu einem Unterstand oder notfalls auch unter einen Baum, damit Ihr Pferd in den Schatten gelangt.
  • Falls möglich, sollten Sie nun Ihr Pferd ein wenig abkühlen. Feuchte Tücher um die Gliedmaßen oder eine feuchte übergeworfene Decke verschaffen eine erste Abkühlung.
  • Wenn Sie Ihr Pferd nicht aus der Sonne herausbringen können, schaffen Sie notfalls mit einem Sonnenschirm künstlichen Schatten.
  • Fressen und Trinken sind für den Moment tabu. Da die Überhitzung bei Pferden zu Störungen im Nervensystem führt, kann das auch den Schluckreflex beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall atmet Ihr Pferd Wasser ein und es kommt zu einer Lungenentzündung.

Von Vorteil ist es natürlich, wenn Sie mit Ihrem Pferd im Vorfeld einfach mal ein paar Notfallmaßnahmen trainieren. So können Sie Ihrem Pferd beispielsweise beibringen, mit den Hufen ruhig in vier Wassereimern zu stehen. Das kann sich in einer Situation wie der Überhitzung dann auszahlen.

Was passiert, wenn das Pferd dehydriert?

Wenn das Pferd durch das Schwitzen oder auch bei einer Durchfallerkrankung mehr als zehn Prozent seines Körpergewichtes verliert, erfolgt eine Verdickung des Blutes. Dadurch gerät der Blutkreislauf aus der Bahn und die Organe werden nicht mehr mit dem notwendigen Sauerstoff versorgt. Dadurch bricht zuerst der Stoffwechsel zusammen und danach der Kreislauf. Zudem besteht bei einem Hitzschlag die Gefahr, dass nur das Gehirn übermäßig mit Blut versorgt wird. Die Folge kann ein Kreislaufschock sein.

Ein weiteres Problem kommt hier noch hinzu: Da stark dehydrierte Pferde nicht mehr trinken wollen, muss der Tierarzt eine Nasenschlundsonde oder eine Infusion anlegen, mit der eine größere Menge Kochsalzlösung verabreicht wird. Die Menge kann durchaus 30 bis 50 Liter betragen. Ergänzend dazu kann der Tierarzt noch kreislaufstärkende Medikamente spritzen. Wenn Sie über eine Pferdekrankenversicherung verfügen, dann können Sie darüber die Kosten für den Tierarzt abrechnen.

Wie können Sie die Überhitzung bei Pferden vermeiden?

Schatten gegen die Sonne und Wasser gegen das Austrocknen sind die beiden wichtigsten Dinge, die Ihr Pferd bei sommerlichen Temperaturen haben sollte. Ist es draußen zu heiß, kann es besser tagsüber die Zeit im schattigen Stall verbringen und abends auf die Weide. Da Ihr Pferd auch ausreichend bewegt werden soll, macht es Sinn, wenn Sie Spaziergänge oder Ausritte in der Umgebung von Bächen, Seen oder Flüssen machen, so dass sich Ihr Pferd regelmäßig abkühlen und auch Wasser trinken kann. Wenn Ihr Pferd nur das Wasser vom Stall trinkt, führen Sie ausreichend Reserven mit sich. Bei der Fütterung sind vor allem Möhren und Äpfel ideal, da sie viel Wasser und auch Elektrolyte enthalten.

Vorsicht ist bei Pferdeanhängern geboten

Ein Pferdeanhänger kann bei Sonneneinstrahlung zu einer tödlichen Falle für Ihr Pferd werden. Ältere und kleine Pferdeanhänger sind schlecht belüftbar und entsprechend kann sich die Temperatur darin sehr schnell erhöhen. Das ist in etwa vergleichbar wie das leidliche Drama von Hunden, die im Sommer im Auto zurückgelassen werden. Sorgen Sie dafür, dass alle Klappen geöffnet sind – einschließlich der Heckklappe. Bei längeren Standzeiten empfehlen wir entweder einen Schattenplatz zu wählen oder ein provisorisches Sonnensegel zu spannen, das die direkte Sonneneinstrahlung auf die Plane des Anhängers unterbindet. Ist das nicht möglich, feuchten Sie ein paar alte Decken durch, die Sie auf das Dach des Anhängers legen können. Dabei entwickelt sich ein effektiver Kühleffekt.

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