Unfall auf dem Hundeplatz – wer bezahlt die Tierarztkosten?

Hunde auf einer WieseSamstagvormittag auf dem Hundeplatz: Viele Hundefreunde sind mit ihren Vierbeinern unterwegs, damit diese sich ein bisschen austoben können. Gleichzeitig tauschen sich die Hundefreunde über ihre Lieblinge aus. Auf einmal im Getümmel lösen sich drei Hunde eines anderen Halters und rennen auf ein Pärchen mit ihrem Welpen zu.

Der Welpe liegt faul im Gras und bekommt davon nichts mit. Einer der drei Hunde rammt sein Frauchen, sie stürzt und fällt auf einen anderen Hund. Dieser verletzt sich dabei und kann nicht mehr laufen. Er muss zum Tierarzt. Wer bezahlt nun die Tierarztkosten?

Muss jeder Hundehalter für seine eigenen Schäden aufkommen?

Auf vielen Hundeplötzen ist der Hinweis angebracht, dass Hundehalter selber für ihre Schäden aufkommen, die ihrem Hund zustoßen können. Das ist so ähnlich wie das Schild: „Betreten der Baustelle verboten. Eltern haften für ihre Kinder.“ Damit möchte der Betreiber der Hundeschule mögliche Haftungsansprüche gegenüber ihn selbst abwehren. Allerdings ist da nicht so einfach, zumal der Betreiber in dem geschilderten Fall nicht in die Haftung genommen werden kann. Kann der Halter des verletzten Hundes sich nun an die Frau halten, die auf seinen Hund gestürzt ist? Oder muss der Hundehalter zahlen, dessen Hund die Frau zu Fall gebracht hat?

Verwirklichung der Tiergefahr löst Haftung für den Hundehalter aus

Nach den Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches gilt: Ereignet sich ein Schaden durch die Verwirklichung der Tiergefahr, so haftet der Hundehalter für die daraus entstehenden Schäden. Der Geschädigte muss nicht die Beweislast tragen, die Haftung liegt beim Hundehalter. Im den konkreten Fall ist die Reihenfolge der Ereignisse zu betrachten. Der Welpe der Frau, die gestürzt ist, liegt im Gras und faulenzt. Von ihm geht also keine Aktion aus, die das Losrennen der drei anderen Hunde auslöst. Diese rennen, im Gegenteil, völlig unmotiviert los und einer von ihnen prallt gegen die Frau. Dabei kommt sie zum Sturz. Hier hat sich die Tiergefahr verwirklicht, da der Sturz durch den rennenden Hund ausgelöst wurde. Dass die Frau nun auf einen anderen Hund stürzt und dieser dabei verletzt wird, ist ein Folgeereignis des Anpralls. Insofern muss der Hundehalter haften, dessen Hund den Sturz ausgelöst hat.

Zahlt die Hundehaftpflicht auch Tierarztkosten?

Die Hundehaftpflichtversicherung ist dazu da, um Schadenersatzforderungen gegenüber dem Hundehalter abzudecken oder auch, wenn diese unberechtigt sind, abzuwehren. Dabei geht es nicht nur um einem verschmutzten Mantel nach einer stürmischen Begrüßung, sondern auch um Personenschäden oder Verletzungen, die einem anderen Hund zugefügt wurden. In diesem Fall würde die Hundehaftpflicht, sofern diese vorhanden ist, tatsächlich die Tierarztkosten des betroffenen Hundes bezahlen.

Wer haftet nun für Schäden, die sich auf dem Hundeplatz oder in der Hundeschule ereignen?

Es ist nicht so, dass jeder Hundehalter, der die Hundeschule besucht, einen stilschweigenden Haftungsausschluss akzeptiert und mögliche Schäden selber tragen muss. Hier steht immer noch die Verwirklichung der Tiergerfahr im Vordergrund, die eine besondere Form der Haftung auslöst. Verletzt also einer der anwesenden Hunde einen anderen Hund, so muss sein Herrchen für die Tierarztkosten aufkommen. Das gilt natürlich nur dann, wenn der betroffene Hund nicht selber aktiv wurde. Ist das der Fall, trägt jeder Hundehalter einen Teil seiner Tierarztkosten selber.

Ohne Hundehaftpflicht geht es nicht

Wer heutzutage eine Hundeschule besucht oder auf den Hundeplatz möchte, muss fast überall für seinen Liebling eine Hundehaftpflichtversicherung nachweisen, damit mögliche Schäden, die vom Hund ausgehen, auch versichert sind. Daneben ist in sechs Bundesländern die Hundehaftpflicht eine Pflichtversicherung für alle Hunderassen. Das sit auch sinnvoll, da von kleinen Hunden ebenso das Risiko eines Schadens ausgehen kann wie von großen Hunden. Es kommt auf die Verwirklichung der Tiergefahr an: Das hieraus sich ein Schaden entwickelt, kann kein Hundehalter von sich weisen. Das Problem dabei ist nur: Wer seinen Hund nicht versichert, muss im Zweifelsfall die Schadenersatzforderung, egal in welcher Höhe, aus seiner eigenen Tasche bezahlen. Ist das nicht möglich, so geht der betroffene Geschädigte weitestgehend leer aus oder muss jahrelang seiner Forderung hinterherhinken. Damit sind auf einen Schlag, etwa bei einem Personenschaden, zwei Existenzen finanziell ruiniert.

6 Gedanken zu “Unfall auf dem Hundeplatz – wer bezahlt die Tierarztkosten?

  1. Hallo,
    mein Welpe hat in der Hundeschule mit 2 anderen Hunden getobt und sich dabei 2 Zehen gebrochen.
    Wir haben einen Tierarzt konsultiert zum Röntgen und Schmerzmittel holen.

    Wer muss die Kosten übernehmen?

    1. Guten Morgen liebe Frau Ott,

      vielen Dank für Ihre Nachricht.

      Ich hoffe, dass es Ihrem Liebling nach der ersten tierärztlichen Behandlung wieder etwas besser geht.

      Ihrer Beschreibung nach waren alle drei Hunde an der Rangelei beteiligt. Es besteht in einem solchen Fall nicht die Möglichkeit, die gesamten Tierarztkosten von den anderen Hundehaltern einzufordern. Das würde im Zweifelsfall vor Gericht scheitern. Aus meiner Sicht ist es aber sinnvoll, die beiden anderen Hundehalter dennoch mit den Tierarztkosten zu konfrontieren. Schließlich hat sich der Unfall aus der Verwirklichung der Tiergefahr ereignet und damit stehen zwangsläufig die beiden anderen Halter in der Haftung.

      Selbst wenn nicht konkret feststeht, welcher der beiden Hunde den Bruch der Zehen ausgelöst hat, sollten doch beiden Hundehalter hier gesamtschuldnerisch tätig werden und ihre Hundehaftpflichtversicherungen mit ins Boot nehmen. In der Rechtssprechung ist es schon häufiger dazu gekommen, dass die Gerichte Hunde- oder Pferdehalter gemeinsam zu einer Schadensersatzleistung haben, auch wenn nicht klar war, welches von mehreren beteiligten Tieren den Schaden letztendlich ausgelöst hat.

      Allerdings kann das ein steiniger Weg werden, da sich die Haftpflichtversicherer der anderen Hundehalter den Vorgang natürlich ganz genau anschauen werden. Letztendlich, aus rechtlicher Sicht betrachtet, sollte aber eine Beteiligung gerechtfertigt sein. Bitte denken Sie daran, dass wir Ihnen keinen juristischen Rat geben dürfen, sondern wir Ihnen hier nur eine erste Einschätzung zu dem geschilderten Unfall abgeben können.

      Es macht ergänzend aber Sinn, wenn Sie sich einfach mal mit dem Thema Hundeoperationsversicherung befassen. So können Sie sich selber finanziell absichern, wenn Ihr Liebling wegen eines Unfalls oder einer Erkrankung operiert werden muss. Diese Versicherung hätte auch bei dem hier geschilderten Ereignis die OP-Kosten mitgetragen.

      Alle Gute für Ihren Liebling

      Ihr Team vom Tierarzt-Onlineverzeichnis

  2. Bei meiner Kollegin kam es einmal vor, dass ihr Hund einige Schaden getan hat. Da ihr Hund nicht versichert war, musste sie aus eigenen Tasche die Schadenersatzforderung bezahlen. Das war eine Lehre für sie, deswegen hat sie nachher ihren Hund doch versichert.

    1. Hallo Thomas,

      deshalb ist es für uns auch unverständlich, warum so mancher Hundefreund immer noch auf die Hundehaftpflicht verzichtet. Wenn der Hund der Kollegin allerdings weiter Schäden verursacht, kann natürlich auch die Versicherung die Reißleine zeihen und den Vertrag kündigen. Je nach Bundesland wird das dann zu einem echten Problem wegen der Versicherungspflicht.

      Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit.

      Manfred von tierarzt-onlineverzeichnis.de

  3. Guten Abend . Auch ich habe eine Frage bezüglich Übernahme von Tierarztkosten. Meine Bekannte hat mit meiner Beaglehündin einen Hundeplatz vom Beagleverein besucht ( Beide dort bekannt ) Beim Toben der Hunde kam es zu einer ( nicht bösartigen )Rempelei, bei der mein Hund schwer zu schaden kam. Keiner der Anwesenden Herrschaften fühlt sich verantwortlich, da es nicht offensichtlich war, welcher der Hunde daran beteiligt war. Diverse Tierarztrechnungen mit der Diagnose eines Bandscheibenvorfalls erreichen locker die 2000 Euro . Was kann ich tun . Die Vorsitzende vom Vorstand reden sich alle raus . Das kann es doch nicht sein . Kann mir jemand einen Rat geben ? Vielen Dank Katrin

    1. Liebe Katrin,

      wir wünschen Ihnen auf diesem Wege erst einmal alles Gute im neuen Jahr und die besten Genesungswünsche für Ihren vierbeinigen Liebling.

      Leider ist es so, dass den Vorstand vom Hundeverein definitiv keine Haftung trifft. Bei einem solchen Getobe, wie Sie es beschreiben, greift die Gefährdungshaftung, der die Hundehalter der beteiligten Hunde unterliegen. Damit ist der Vorstand als solcher aus der Nummer raus.

      Die einzige Möglichkeit, die besteht: Wenn klar ist, welche Hunde an der Toberei beteiligt waren, die Halter darauf ansprechen. Da das nach Ihrer Schilderung aber nicht der Fall zu sein scheint, bleiben die Kosten tatsächlich bei Ihnen hängen.

      Liebe Grüße

      Manfred vom tierarzt-onlineverzeichnis.de-Team

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