Wenn das Gehirn verrückt spielt – die Epilepsie bei Hunden

Hand berührt eine Hundepfote

„Mein Hund hat mit einzelnen Gliedmaßen und Muskeln gezuckt, nach irgendwelchen imaginären Fliegen geschnappt und unmotiviert gebellt. Es war so, als wenn er für einen Moment völlig von der Rolle war.“ So beschreiben Hundefreunde ihren Liebling, wenn das Gehirn für einen Moment außer Kontrolle gerät. Die Epilepsie bei Hunden ist keine Seltenheit. Ob die Epilepsie heilbar ist, hängt von ihrer Form ab.

In vielen Fällen ist eine begleitende Therapie notwendig, mit der betroffene Hunde ein zufriedenes Leben führen können.

Was ist eine Epilepsie bei Hunden?

Die Epilepsie beim Hund ist eine Fehlfunktion im Gehirn. Es kommt im Gehirn zu einer Störung zwischen der elektrischen Ladung und Entladung von Nervenzellen. Das Großhirn reagiert auf die überschüssige Energie mit einem epileptischen Anfall. Dabei kommt es zu unterschiedlichen Symptomen. Je nach Ausprägung dauert ein solcher Anfall wenige Sekunden bis hin zu einigen Minuten.

Symptome der Epilepsie

Tierärzte unterschieden epileptische Anfälle grob in zwei Gruppen. Wenn der Kurzschluss nur einzelne Bereiche des Gehirns erreicht, dann kommt es zu einer partiellen Epilepsie. Es sind also nur Teilbereiche des Körpers betroffen. Kommt es hingegen zu einer generalisierten Epilepsie, ist der gesamte Hundekörper betroffen. 

Der partielle Anfall ist für Hundehalter nicht so einfach zu erkennen, da dabei nur einzelne Gliedmaßen oder Muskelpartien zucken oder die Lefzen sich unkontrolliert bewegen. Der generalisierte Anfall tritt in etwa 80 Prozent der Fälle auf und verläuft in drei Stadien:

  1. Es setzt ein leicht verändertes Verhalten bei Ihrem Hund Minuten oder sogar Stunden vor dem Anfall ein. Er wird unruhig, speichelt vermehrt und löst sich unter Umständen unkontrolliert. Ihr Hund zieht sich zurück oder sucht auffällig Ihre Nähe. Diese Verhaltensweisen werden begleitet mit übermäßigem Bellen.
  2. Der eigentliche Anfall setzt ein: Ihr Hund versteift zunächst und gerät in eine kurze Phase der Bewusstlosigkeit, er fällt zu Boden. Dabei kommt es zu krampfartigen Zuckungen und Bewegungen, die Blase und der Darm können sich entleeren. Bei einem leicht vorhandenen Bewusstsein winselt Ihr Hund.
  3. Der Anfall ist vorbei. Ihr Hund ist zunächst völlig erschöpft und wirkt benommen. Die meisten Hunde erholen sich bereits nach ein paar Minuten. Es gibt aber auch Vierbeiner, die noch Stunden später mit neurologischen Ausfällen zu kämpfen haben. Dazu gehören
    • Sehstörungen
    • Desorientierung
    • wackeliger Gang
    • übermäßiger Hunger und Durst

Verletzungen bei einem Krampfanfall – was passiert mit Ihrem Hund?

Ein Krampfanfall führt dazu, dass Ihr Hund unkontrolliert mit den Gliedmaßen zuckt. Nun liegt der Verdacht nahe, dass er sich dadurch womöglich verletzt oder starke Schmerzen erleidet. Dem ist in der Regel nicht so. Einerseits führen die Krampfanfälle nicht zu Schmerzen. Lediglich kommt es nach der Lösung der Krämpfe zu einem Erschöpfungszustand. Verletzungen können Sie ebenfalls minimieren. Wenn Sie mitbekommen, dass Ihr Hund krampft, dann entfernen Sie, soweit möglich, Möbelstücke aus seinem Bewegungsradius, sodass er nirgendwo anstoßen kann. Halten Sie Ihre Hände fern von Ihrem Hund. Sollte er unbeabsichtigt nach Ihrer Hand schnappen, werden Sie sein Gebiss aufgrund der Krämpfe kaum auseinander bekommen. Das kann schwere Verletzungen bei Ihnen auslösen.

In der Erschöpfungsphase sollten Sie Ihren Hund genau im Blick haben. Er bewegt sich sehr unsicher und kann natürlich aufgrund der kurzzeitig fehlenden Koordination gegen Möbel laufen oder sogar eine Treppe hinunterfallen. 

Ursachen der Epilepsie bei Hunden

Der Kurzschluss im Gehirn des Hundes kann verschiedene Ursachen haben. Das kann am Alter des Hundes liegen, aber auch genetisch bedingt an der Rasse. Dazu lösen bereits vorahnden Krankheiten Krampfanfälle bei Hunden aus, die als metabolische Epilepsie einzustufen sind. Ein epileptischer Anfall bei Hunden kann von seiner Ursache her in drei Formen eingestuft werden.

  1. Primäre Epilepsie: Diese Form der Epilepsie tritt am häufigsten auf. Es ist die Form, für die keine genaue Ursache auszumachen ist. Das Gehirn der untersuchten Hunde zeigt keine Veränderungen, die Hunde sind vom Allgemeinzustand her gesund. Tiermediziner vermuten, dass es sich dabei um eine genetische Veranlagung handelt, also einen Gendefekt. Davon betroffen sind beispielsweise Rassen wie Rhodesian Ridgeback, Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde, oder auch Berner Sennenhunde. Etwa zwei Prozent dieser Hunderasse leiden an einer Epilepsie.
  2. Strukturelle Epilepsie: Hier sind die Ursachen für die Epilepsie deutlicher auszumachen. In der Regel sind hier andere Erkrankungen, die das Gehirn betreffen, die Ursache. Dazu gehören zum Beispiel ein Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutungen und Hirnhautentzündungen. Die Veränderungen, die zu einem epileptischen Anfall führen, sind mit einem MRT (Magnetresonanztomographie) erkennbar. Hierbei handelt es sich um ein bildgebendes Diagnoseverfahren, bei dem Schnittbilder des Hundes aufgenommen werden und damit neurologische Veränderungen erkennbar sind. 
  3. Metabolische Epilepsie: Hier spielen organische (metabolische) Erkrankungen und Störungen des Organismus eine gewichtige Rolle. Dazu gehören Leberschäden, Veränderungen der Blutsalze und auch eine Unterzuckerung. Hier muss Ihr Tierarzt natürlich erst einmal diese Ursachen behandeln, bevor es an die eigentliche Therapie bei der Epilepsie geht. 

Wie erfolgt die Diagnose bei der Epilepsie?

Die Epilepsie bei Hunden hat, wie bereits beschrieben, verschiedene Ursachen. Daher müssen Tierärzte nach dem Ausschlussverfahren vorgehen, um mögliche andere Erkrankungen auszuschließen. 

Zunächst erfolgt beim Tierarzt eine neurologische Untersuchung, um andere Ursachen für die Krampfanfälle des Hundes auszuschließen. Mit einem Leberfunktionstest, Blutuntersuchung und der Untersuchung des Elektrolythaushaltes können metabolische Ursachen ausgeschlossen werden. 

Ergibt sich aus den bisherigen Verfahren noch keine gesicherte Diagnose, dann erfolgt ein MRT oder ein CT, um strukturelle Veränderungen im Gehirn Ihres Hundes festzustellen. Ergibt sich aus der bildgebenden Diagnostik ebenfalls kein Befund, so ist die Epilepsie in der Regel auf genetische Ursachen zurückzuführen. 

Die Kosten für ein MRT liegen je nach Größe des Hundes bei etwa 200 Euro bis 300 Euro. Eine Computertomographie schlägt je nach Umfang mit mindestens 150 Euro zu Buche. Dazu kommen dann je nach Form der Epilepsie noch weiter Kosten für die Behandlung der Grunderkrankung oder die Medikamente bei einer primären Epilepsie. Hier fallen je nach Form der Epilepsie auch noch monatliche Kosten für Medikamente an.

Zwar sind nur etwa zwei Prozent aller Hunde von der Krankheit betroffen. Die Hundekrankenversicherung übernimmt nicht nur die Kosten für die Diagnoseverfahren oder die Heilbehandlung von Grunderkrankungen. Übernommen werden auch im Fall einer primären Epilepsie die regelmäßig anfallenden Kosten für Medikamente. Da Sie diese ein Leben lang für Ihren Hund beschaffen müssen, führt das im Laufe der Jahre zu einem unteren vierstelligen Betrag, den Ihre Krankenversicherung übernimmt.

Wie verläuft die Therapie bei einer Epilepsie?

Wenn die Diagnose Epilepsie feststeht, entscheidet der Tierarzt die Form der Behandlung. Hierfür ist wichtig, welche Ursache der Epilepsie zugrunde liegt. Bei der metabolischen und bei der strukturellen Epilepsie wird die Grunderkrankung behandelt, die zu der Epilepsie führen. 

Bei der genetischen oder auch primären Epilepsie hängt es von der Form der epileptischen Anfälle ab, welche Therapieform gewählt wird. Diese Form der Epilepsie ist nicht heilbar. Daher ist es nur möglich, auftretende Anfälle von ihrer Wirkung her zu kontrollieren und abzuschwächen. Dabei ist es wichtig, dass Ihr Hund konsequent die benötigten Medikamente erhält und Sie dazu auch ein Tagebuch führen. Hier halten Sie fest, wann die Krampfanfälle auftreten und wie lange diese dauern. Alle diese Faktoren sind wichtig für die Therapieform und die Dosierung von Medikamenten. 

Eine Therapie ist dann notwendig, wenn ein epileptischer Anfall mehr als einmal im Quartal auftritt oder länger als fünf Minuten andauert. Kommt es zu Serienanfällen, sodass Ihr Hund zweimal oder häufiger innerhalb eines Tages krampft, ist die therapeutische Behandlung ebenfalls notwendig. 

Die meisten Hunde können im Rahmen der Behandlung ein zufriedenes Leben führen. Dazu gehört aber auch, dass die Medikamente regelmäßig eingestellt werden und regelmäßige Kontrolluntersuchungen stattfinden. 

Gibt es eine altersbedingte Epilepsie bei Hunden?

Die Epilepsie ist keine typische Alterskrankheit bei Hunden. Vielmehr treten die ersten epileptischen Anfälle im Alter von bis zu fünf Jahren auf. Dabei handelt es sich dann in der Regel um eine primäre Epilepsie, die genetisch bedingt ist. Kommt es im Alter ab fünf Jahren zu einem epileptischen Anfall, sind die Ursachen eher auf andere Erkrankungen oder Verletzungen zurückzuführen. 

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