Wenn der Hund zum Psychologen muss

Publiziert am Mittwoch, 12. Februar 2014 von Manfred Weiblen
Hund

Der Trend in großen deutschen Städten geht zum Kleinsthund. Während momentan noch Mischlinge und Labradore den Löwenanteil bei den Hunderassen in den Städten ausmachen, sind Chihuahuas, Möpse und Yorkshire Terrier auf dem Vormarsch. Einer der Gründe: Viele Singles möchten gerne einen Hund halten, der ihnen beim Heimkommen den Feierabend versüßt. Problem bei den kleinen Hunden: Sie werden nach und nach vermenschlicht, weil Herrchen oder Frauchen in ihnen einen gleichwertigen Partner sehen. Die ursprünglichen Instinkte der Hunde geraten völlig ins Wanken. Immer mehr Hunde müssen zum Psychologen.

Beispiel München – hier sind viele Kleinsthunde in Behandlung

München ist jetzt nicht gerade die Hundestadt Deutschlands schlechthin. Auf 100 Einwohner kommen einmal gerade zwei Hunde. Das macht rund 32.000 Hunde. In Hamburg sind es mehr als doppelt so viel. Sicherlich, in München gibt es viele Ecken und Plätze, wo der Hund seinem Spieltrieb freien Lauf lassen kann. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Auf den großen Einkaufsstraßen finden sich immer mehr Hundefriseure, Hundeboutiquen und Hundesalons.

Der Hund wird zum Schmusetier

Waschen, schneiden, föhnen – das ist gängig bei vielen Hunden. Sie werden von ihren Besitzern regelmäßig zur Schönheitspflege gebracht. Der Hund weiß überhaupt nicht, was los ist. Und wenn der Vierbeiner nach einer Rauferei z. B. mit einem Artgenossen auch noch ausgeschimpft wird, weil das Fell dreckig ist, weiß der Gute nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Sie werden behandelt wie kleine Kinder. Selbst in Internetforen kann man lesen, wie Frauchen ihren vierbeinigen Schützling verhätschelt: „Mein Fiffi kommt anscheinend in die Pubertät, was soll ich bloß machen?“ Wahrscheinlich hat der Hund bloß keine Lust auf die Spielchen, die mit ihm getrieben werden. Das passt schließlich nicht zu seinen Instinkten.

Hund bleibt Hund

Egal wie groß oder klein der Hund ist – er bleibt ein Tier. Auch wenn der Einfluss von Paris Hilton längst verblasst ist, werden immer noch viele kleine Hunde in der Handtasche transportiert, anstatt ihnen die benötigte Bewegung zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass viele Singles tagsüber keine Zeit für ihren Hund haben und dieser sich vernachlässigt fühlt. Kein Wunder, dass da so mancher Vierbeiner reif für die Couch ist. Ihnen fehlt die richtige Erziehung mit klaren Regeln, abwechslungsreichem Spiel und genügend Auslauf. Selbst wenn der Hund beim Psychologen ist, muss Herrchen oder Frauchen mitspielen. Die Wurzel des Übels liegt schließlich bei ihnen. Kein Hund ist dafür geschaffen, mit Schleifchen dekoriert zu werden, geschweige denn vermeintlich originelle Frisuren verpasst zu bekommen. Ein Trend aus England schwappt mittlerweile auch zu uns rüber. Da werden Hunde künstlich frisiert, sodass sie aussehen wie Löwen. Es gibt auch mittlerweile Hunde, die haben einen Fellschnitt, sodass sie von hinten aussehen wie die Miniaturausgabe eines Stegosaurus. Ob das Mal im Sinne des Hundes selber ist?

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