Wenn die Tierarztrechnung nicht bezahlt werden kann

Publiziert am Dienstag, 3. März 2015 von Manfred Weiblen
Richterhammer

Wer ein Haustier besitzt, ist für die Pflege und Versorgung des Tieres verantwortlich. Dafür gibt es in Deutschland ein Tierschutzgesetz. Strafbar ist es zum Beispiel, Tiere zu quälen, aber auch zu vernachlässigen. Dazu gehört aber auch, dass bei Erkrankungen der Tierarzt aufgesucht wird, um das Leiden eines Haustieres zu behandeln. Natürlich ist die tierärztliche Behandlung ein Kostenfaktor, der in der Haltung von Haustieren berücksichtigt werden muss. Impfen, Wurmkuren oder Vorsorgeuntersuchungen sind hier nicht die teuersten Aspekte. Wenn das Haustier hingegen einen Unfall erleidet oder schwer erkrankt, sind langwierige Behandlungen oder sogar eine Operation notwendig.

Tierarzthonorar muss sofort bezahlt werden

Der Tierarzt rechnet mit dem Tierbesitzer unmittelbar ab. Das ist auch nicht anders wie bei Privatpatienten in der Humanmedizin. Allerdings gibt es für Privatpatienten die private Krankenversicherung, die die Arztrechnung bezahlt. In der Regel muss also bei Beginn der Behandlung geklärt werden, wie die Tierarztrechnung bezahlt wird. Wer hingegen einer Operation zustimmt und anschließend die vereinbarte Zahlung nicht tätigen kann, muss damit rechnen, dass der Tierarzt das Haustier einbehält, bis die Rechnung bezahlt ist. Das steht auch nicht im Widerspruch zum geltenden Recht.

Urteil des Landesgerichtes Mainz ist wegweisend

Ein Tierbesitzer musste sein Haustier wegen einer lebensbedrohlichen Milzruptur in die Tierklinik einliefern. Daraufhin wurde eine Erklärung unterzeichnet, dass das Tierarzthonorar im Anschluss an die Operation bezahlt werden sollte. Doch der Tierhalter konnte nur einen Teil der Tierarztkosten bezahlen. Die Tierklinik behielt das Haustier ein. Zu Recht, wie die Richter am Landgericht Mainz schon im Jahr 2002 befanden. Der Einbehalt steht nicht im Widerspruch zum Tierschutzgesetz und auch nicht zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Übrigens, der Einbehalt ist auch in anderen Bereichen üblich: Wer beispielsweise eine Autoreparatur in Auftrag gibt und diese nicht bezahlen kann, muss sich nicht wundern, wenn die Kfz-Werkstatt die Herausgabe verweigert.

Ausnahmen gibt es nur selten

Das in einem solchen Fall die Tierbesitzer vor Gericht Recht bekommen, ist eher selten. Zwar hat das Amtsgericht Alzey im Jahr vor dem Mainzer Urteil Recht für den Tierbesitzer gesprochen, doch die Praxis verhält sich mittlerweile anders. Da der Tierarzt in der Regel sicherstellen kann, dass das einbehaltene Haustier nach dem Tierschutzgesetz entsprechend behandelt und versorgt werden kann, steht dem Einbehalt rechtlich nichts entgegen. Lediglich, wenn ein Haustier sehr auf den Menschen fixiert ist, muss die Herausgabe trotz der noch nicht beglichenen Rechnung erfolgen. Das gilt auch dann, wenn der Tierbesitzer in besonderen Umfang auf das Tier angewiesen ist, wie etwa ein Blindenhund.

Vor der Tierarztbehandlung Probleme klären

Es kann immer mal der Fall eintreten, dass ein Haustier tierärztliche Hilfe benötigt und das Budget knapp ist. Tierärzte wissen um diese Problematik und ermöglichen den Tierfreunden, eine Rechnung auch in Raten zu bezahlen. Das muss aber vor der Behandlung geklärt werden. Gerade bei einer Operation, die vierstelligen Bereich liegt, hilft kein falscher Scharm. Die Karten müssen auf den Tisch, der Tierarzt wird sich auf eine Ratenzahlung einlassen. Rechtlich betrachtet ist das Nichtbezahlen der Tierarztrechnung sogar ein großes Problem. Wer den Tierarzt eine teure Behandlung oder Operation durchführen lässt in dem Wissen, dass die Tierarztrechnung nicht bezahlt werden kann, muss sich im Extremfall den Versuch des Betruges anhängen lassen. Hier wird es, wenn es hart auf hart kommt, zu einem strafrechtlichen Problem.

Vorsorge für das Haustier ist zwingend notwendig

Gerade bei größeren Haustieren wie beispielsweise Hunden oder Katzen können vor allem Operationen mit hohen Kosten zu Buche schlagen. Ohne einen Spargroschen ist es schwer die Operation bei einer Magendrehung des Hundes oder bei einer Diabeteserkrankung der Katze zu bezahlen. Tierfreunde müssen also Geld regelmäßig zur Seite legen, damit im Ernstfall der Tierarzt bezahlt werden kann.

Tierkrankenversicherung auf dem Vormarsch

Mittlerweile haben sich in Deutschland einige Versicherer auf den Bereich der Tierkrankenversicherung spezialisiert. Bei einer Tierkrankenversicherung wird die Tierarztrechnung von der Versicherung bezahlt. Hier gibt es verschiedene Modelle, die für Hunde, Katzen und Pferde angeboten werden. Informationen zu diesem Thema finden Sie beispielsweise im Internet unter: www.vergleichen-und-sparen.de

Zu den Anbietern der Tierkrankenversicherung gehören die AGILA, die Allianz, die Helvetia, Petplan und die Uelzener. Die Tarifgestaltung fällt sehr unterschiedlich aus, ein Vergleich ist notwendig, damit Sie als Tierhalter den richtigen Versicherungsschutz für Ihr Haustier auswählen können. Die Tierkrankenversicherung unterscheidet im Wesentlichen zwei Modelle: Einmal die Krankenvollversicherung und auf der anderen Seite die reine Operationsversicherung.

Bei der Krankenvollversicherung genießt Ihr Haustier quasi den Status eines Privatpatienten. Die Behandlungen des Tierarztes werden übernommen. Die Palette der Leistungen reicht von der Behandlung bei einem verdorbenen Magen bis hin zu operativen Eingriffen. In der Operationsversicherung hingegen werden lediglich Operationen versichert, dafür sind die Monatsbeiträge hier aber auch geringer. Damit sind dann aber zumindest die kostenintensiven tierärztlichen Behandlungen abgesichert.

Veröffentlicht unter Tierarzt