Übergewicht bei Hunden – wenn der Moppelalarm droht

Hund nutzt die Katzenklappe

Herz-Kreislauf-Beschwerden, Leberbeschwerden oder Hormonstörungen: Übergewicht bei Hunden führt zu vielen Folgeerkrankungen, die letztendlich für Ihren Hund gefährlich sein können. Das Übergewicht ist wie bei uns Menschen für Hunde mittlerweile eine Art Volkskrankheit.

Rund ein Drittel aller Hunde, die beim Tierarzt sind, werden als übergewichtig eingestuft. Dabei kommt das Übergewicht mehr zufällig zum Vorschein, da sich viele Hundefreunde sich einerseits nicht mit den Symptomen auskennen und andererseits der Prozess schleichend verläuft.

Woran lässt sich das Übergewicht bei Hunden erkennen?

Das Übergewicht bei Hunden äußert sich zunächst einmal durch Fettansammlungen an verschiedenen Stellen des Körpers. Wenn das geschieht, ist der Moppelalarm quasi schon eingetreten:

  • Die Rippen Ihres Hundes sind nicht mehr gut zu ertasten.
  • Am Schwanzansatz hat sich Fett abgelagert.
  • Der Bauch Ihres Hundes scheint durchzuhängen.

Wenn das Übergewicht nicht nur durch äußere Symptome erkennbar ist, gibt es noch weitere Anzeichen dafür, dass das Übergewicht zu einem echten Problem wird:

  • Ihr Hund bewegt sich nicht mehr so gerne.
  • Nach dem Herumtoben benötigt er erst einmal eine längere Verschnaufpause.
  • Ihr Hund bekommt schlechter Luft.
  • Die Atmung klingt lauter und hechelnd.
  • Beim Schlafen Ihres Hundes sind Schnarchgeräusche vernehmbar.

Zusätzlich ergibt sich noch ein weiteres Problem: Durch das Übergewicht sind Gelenke stark belastet und können sogar schmerzen. Das fatale dabei ist, dass Hunde bei Bewegungsschmerzen nur selten Laut von sich geben. Das Problem tritt also nicht offensichtlich auf.

Lässt sich das Übergewicht in Kategorien einstufen?

Bei Hunden gibt es den sogenannten Body-Condition-Score (BCS). Dabei handelt es sich um eine Körperkonditionsbeurteilung, die Ihr Tierarzt vornehmen kann. Die Einstufung erfolgt in fünf Kategorien: BCS 1 bis BCS 5. Dabei stellt der BCS 1 starkes Untergewicht dar, BCS 5 steht für starkes Übergewicht. Der BCS 3 steht für das Idealgewicht.

Dazu wird Ihr Tierarzt Ihren Hund optisch und palpatorisch (Abtasten) von oben und von der Seite analysieren. Sind die Rippen gut ertastbar und die Taille ist von oben gut erkennbar, ist das in der Gesamtbetrachtung als Idealgewicht zu sehen.

Merkmale beim Body-Condition-Score:

  • starkes Untergewicht (BCS 1): Knochenvorsprünge, Rippen und Beckenknochen sind bereits aus der Entfernung sichtbar, es ist zu wenig Muskelmasse vorhanden.
  • leichtes Untergewicht (BCS 2): Von oben ist bei Ihrem Hund eine deutliche Taille sichtbar, die Rippen könne Sie leicht ertasten, die Lendenwirbel und die Beckenknochen sind gut sichtbar.
  • Normalgewicht (BCS 3): Eine Taille ist von oben sichtbar, die Rippen sind durch die Haut noch gut zu spüren, der Übergang von Bauch zu Becken ist gut sichtbar.
  • leichtes Übergewicht (BCS 4): Unter dem Fell sind die Rippen nur noch schwer ertastbar, es bilden sich sichtbare Fettpolster im Bereich der Lenden, von oben ist die Taille nur noch schwer sichtbar.
  • starkes Übergewicht (BCS 5): Massive Bildung von Fettpolstern an Taille, Brustkorb, Hals und Wirbelsäule, deutliche Erweiterung des Bauchumfanges.

Welche Gefahren birgt das Übergewicht bei Hunden?

Das Übergewicht bei Hunden ist nicht nur ein Schönheitsfehler. Wie auch bei uns Menschen müssen die überschüssigen Pfunde als Erkrankung von Ihnen wahrgenommen werden. Das Problem dabei ist, dass Übergewicht eben auch eine Vielzahl von Folgeerkrankungen auslösen kann. Dazu kommt, dass die Lebenserwartung bei Übergewicht um etwa 20 Prozent sinkt.

Studien haben gezeigt, dass das Körpergewicht die Lebensqualität von Hunden beeinflusst. Verglichen wurden zwei Gruppen von Hunden: Diejenigen, die an Übergewicht leiden und die Hunde, die bereits im Rahmen einer Diät Pfunde verloren haben. Die Hunde der ersten Gruppe zeichneten sich vor allem durch eine geringe Vitalität und eine höhere Unausgeglichenheit aus.

Diese Krankheiten können durch das Übergewicht ausgelöst werden:

  • Eine Zunahme beim Körpergewicht führt zu Bluthochdruck und damit zu einer höheren Belastung des Herzmuskels. Dadurch nimmt die Leistungsfähigkeit eines Hundes deutlich ab
  • Durch die Ansammlung von Körperfetten vor allem im Brustraum kommt es zu einer Einschränkung der Lungenfunktion, da diese sich beim Atmen nicht mehr vollständig entfalten kann
  • Das Übergewicht bei Hunden führt zu Gelenkproblemen wie Arthrose, Hüftgelenksdysplasie oder Ellenbogengelenkdysplasie
  • Krankhaftes Übergewicht bei Menschen im Zusammenhang mit auftretenden Krebserkrankungen kann durchaus auch bei Hunden angenommen werden
  • Erkrankung der Harnwege
  • Verringerung der Lebensfreude durch eingeschränkte Bewegungsfreiheit
  • Bei warmem Wetter kommt eine Hitzeintoleranz hinzu.
  • Bei Operationen droht durch das Übergewicht ein Narkoserisiko

Naturgemäß führen Folgeerkrankungen oder sogar Operationen zu hohen Tierarztkosten. Dagegen können Sie jedoch finanziell mit einer Hundekrankenversicherung oder einer Hunde-OP-Versicherung schützen.

Wo liegen die Ursachen für das Übergewicht bei Hunden?

Längst ist die Erklärung für das Übergewicht bei Hunden nicht nur mit zu viel Futter zu erklären. Es gibt unterschiedliche Faktoren, die die überschüssige Gewichtszunahme begünstigen.

Richtig ist natürlich, dass eine falsche Ernährung zum Übergewicht führt. Das passiert, wenn Ihr Hund mehr Energie durch das Futter aufnimmt, als er durch Bewegung abbauen kann. Die überflüssige Energie wird vom Körper als Fettgewebe abgespeichert. Dann bilden sich die Fettpölsterchen. Etwa ein Fünftel aller Hundefreunde dosieren bewusst das Futter Ihres Hundes. In den anderen Fällen

  • haben Hunde ihr Futter zur freien Verfügung,
  • bekommen Hunde ihr Futter, wenn sie vermeintlich Hunger haben und
  • erhalten Hunde ihr Futter nach Augenmaß.

Vor allem im Alter führt eine nicht angepasste Ernährung zu einer Gewichtszunahme. Der Energiebedarf sinkt um etwa 20 Prozent. Dazu kommt, dass aufgrund von Wehwehchen im Alter der Bewegungsdrang nicht mehr so hoch ist. Die Folge: Das Gewicht nimmt rapide zu, da die aufgenommene Energie schlechter abgebaut wird als in jungen Hundejahren.

Kann eine Kastration Übergewicht auslösen?

Bei Rüden kann es passieren, dass aufgrund der veränderten Spontanaktivitäten der Bewegungsdrang etwas leidet und es dadurch zur Anhäufung von Fettpölsterchen kommen kann. Hündinnen hingegen haben mit einem hormonellen Problem zu kämpfen. Bei ihnen führt die Kastration dazu, dass die hormonellen Veränderungen zu vermehrtem Appetit führen und damit das Übergewicht auslösen.

Es gibt auch noch Verhaltensaspekte, die Sie auf den ersten Blick gar nicht in Zusammenhang mit der Gewichtszunahme bringen. Die Rede ist hier von Verhaltensstörungen, die einerseits zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme führen oder andererseits eine verminderte Bewegung des Hundes zur Folge haben:

  • Angst kann dazu beitragen, dass sich Ihr Hund regelmäßig den Bauch vollschlägt. So wie sein Urahn, der Wolf, der sich auch den Bauch vollgeschlagen hat. Wer weiß, wann es wieder etwas zu fressen gibt.
  • Depressionen können zu einer verminderten Bewegung führen, wenn Ihr Hund durch physische Umstände an Lustlosigkeit leidet.
  • Vermeintlich aggressivere Hunde genießen womöglich weniger Bewegungsfreiheit, haben dadurch weniger soziale Kontakte und dadurch wiederum auch weniger Bewegung im Tagesverlauf.

Übergewicht bei Hunden – wie können Vierbeiner gesund abnehmen?

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihren Hund auf Diät zu setzen, dann dürfen Sie sich nicht darauf beschränken, die Futtermenge herabzusetzen. Auf der einen Seite wird sicherlich die Energiezufuhr heruntergefahren. Auf der andren Seite fehlen aber durch die Reduktion der Futtermenge wichtige Nährstoffe. Lassen Sie sich am besten durch Ihren Tierarzt beraten, was das Diätfutter angeht.

In der Regel ist hier ein kalorienarmes Futter notwendig, das eine geringere Energiedichte aufweist, aber dafür einen ausgewogenen Anteil an Proteinen und Nährstoffen enthält.

Wichtig ist, dass Sie Geduld mitbringen. Eine Diät ist nicht mal eben in vier Wochen durchgezogen. Das würde Ihrem Hund nur schaden. Tiermediziner empfehlen, dass Hunde im Rahmen einer Diät maximal ein bis anderthalb Prozent wöchentlich an Körpergewicht abbauen. Daher kann der Diätverlauf sogar mehrere Monate andauern.

Übergewicht durch Aktivität bekämpfen

Bewegung ist gut gegen Übergewicht – und auch bei Übergewicht. Eine erhöhte Aktivität kann also das Abnehmen positiv beeinflussen. Dadurch steigern sie bei Ihrem Hund den Energiebedarf, der wiederum zum Abbau von Körperfett beiträgt. Dabei gilt aber: Mit dem normalen Bewegungsprogramm erzielen Sie keine sichtbaren Ergebnisse. Da müssen Sie eine Schippe drauflegen, um die bisherige Aktivität zu steigern.

Beachten Sie dabei bitte die körperliche Konstitution Ihres Hundes. Leidet er bereits an Vorerkrankungen, dann sind erhöhte Bewegungsmaßnahmen nicht förderlich, sondern eher schädlich. In diesen Fällen sind physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll, damit Ihr Hund schonend seine benötigte Bewegung bekommt.

Veröffentlicht unter Hund

2 Gedanken zu “Übergewicht bei Hunden – wenn der Moppelalarm droht

  1. Unser Sheltie wurde mit 7 Jahren kastriert, hatte da schon ein Kilo Zuviel Gewicht. Nach der Op nahm er immer weiter zu , hat jetzt ein Gewicht von 20kg trotz Low Fat von Vet Conzept 250g am Tag. Da es mir Angst wurde hat unsere Tierärztin das Blut untersuchen lassen. T4 Wert war zu hoch. Mit Tabletten jetzt gut eingestellt. Nun ist er 10 Jahre bewegt sich sehr langsam hat Arthrose und sich vor 5 Wochen das Sprunggelenk ruiniert. Hat eine Titanplatte eingesetzt bekommen, diese ist nach 1Woche gebrochen. Zweite Op grössere Platte nun ist die Gipsschalen ab. Alles gut verheilt Bein noch warm denk hat auch noch Schmerzen. Bekommt aber keine Schmerzmittel mehr. Hat auch keinen Antrieb zu laufen wie kann er jetzt Gewicht abbauen??? Weiß keinen Rat!!! L. G. Birgit Heerklotz

    1. Hallo Birgit,

      wenn er Schmerzen hat, ist es nur natürlich, dass er sich nicht bewegen möchte. Aufgrund seiner Arthrose und der beiden Gelenk-OPs wäre eine Physiotherapie angemessen. Denn Bewegung ist zwar wichtig, dein Hund darf seine Gelenke aber auf keinen Fall überanstrengen. Der Physiotherapeut wird dir passive und aktive Bewegungsübungen zeigen. Diese helfen ihm sicherlich auch beim Abnehmen. Zusätzlich solltest du seine Ernährung umstellen, wenn du es noch nicht getan hast. Am besten holst du dir Tipps von deinem Tierarzt. Lass dir von ihm sagen, wie viel Kalorien dein Hund benötigt. Vielleicht erstellt er mit dir auch einen Diätplan für deinen Hund. Zusammen mit der Physiotherapie stellen sich dann hoffentlich bald erste Erfolge ein. Bedenke jedoch, dass dein Hund innerhalb einer Woche nur höchstens ein bis drei Prozent seines Körpergewichtes verlieren darf. Sonst wird es für ihn ungesund.

      Viel Erfolg
      Kim vom tierarzt-onlineverzeichnis.de-Team

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